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Résumé einer Dreiecks-Konstellation

Wir waren zu dritt in einer polyamourösen Konstellation, ich als ein "Einhorn" - wenn man die Definition der Poly-Community dafür etwas lockerer als gewöhnlich nimmt. Ich hatte Freiheiten, weitere Affären und noch eine weitere Beziehung. Aber gegenüber diesen beiden Menschen war ich im Dreieck eben "die von draußen", denn sie waren bereits seit vielen Jahren ein (zu?) vertrautes Paar.

Anfangs dachte ich, all unsere Schwierigkeiten lägen an meiner "Nicht-Normalität". Abgesehen davon, dass er Nylon-Fetischist war und Friseurrollenspiele liebte, fiel er -anders als ich- nirgendwo auf. Lebte mit ihr, die noch weniger auffiel, ein sehr bürgerliches Leben. Eins, wo "man" drauf achtet, was "die Nachbarn sagen".

Ich habe mich ganz neu mit Beziehungs-Definitionen und mit Kommunikationsproblemen auseinandergesetzt, und auch einige Traumata meiner eigenen Biografie bearbeitet. Aufgearbeitet. Ein lieber Freund und ehemaliger Physik-Studienkollege schrieb mir, als ich mich darüber mit ihm austauschte:

Es ist wie beim Lawson Kriterium für die Kernfusion, wo das Produkt aus Einschlusszeit, Einschlussdruck und Einschlusstemperatur überschritten werden muss, damit die Reaktion zustande kommt. Ich habe das aus der Physik heraus übertragen und spreche gerne vom Lawson Kriterium für positive Gefühle. Das Produkt aus Dauer und Intensität positiver Gefühle muss eine relativ hohe Schwelle überschreiten, damit man sie wahrnehmen kann. Ich glaube, dass Heilung eintreten kann, wenn mensch sich im Kontakt mit anderen Menschen wiederholt oder über längere Zeit wohl fühlt und das auch wahrnehmen kann.

Eine gewisse Art des Wohlgefühls habe ich in diesem "Dreieck" erlebt. An anderen - wohl ganz "normalen"- Problemen sind wir letztlich doch gescheitert. Erst stieg sie aus, dann er. Mich bezeichneten die beiden als "zu anstrengend", ich sie hingegen als "zu oberflächlich" - wir hätten alle im Dreck unserer Psyche wühlen können, und ich wäre als zuversichtliches Wiederaufsteh-Männchen wohl wieder und wieder aufgestanden und hätte Kommunikations-Mißverständnisse "aufgedröselt", denn wir sprachen verschiedene Sprachen der Liebe und, schlimmer, verkörperten mit Überzeugung gegensätzliche Sozialkonventionen der Höflichkeit bzw. Ehrlichkeit. Als ich nach Beziehungsende das Buch "Das hab ich nicht gesagt!" von der Linguistin Deborah Tannen (bezeichnenderweise im Bücherschrank meiner Mutter) entdeckte und las, dachte ich auf nahezu jeder Seite: "Das sind wir! Das waren wir!"

Wie wohl jede Beziehung hatte die Beziehung ihre Sonnen- und ihre Schattenseiten. Nur waren wir uns nie so ganz darüber einig, wieviel Sonne und wieviel Dämmerung uns gut tun. Es war vielleicht wie bei einer Trekking-Tour, wo ich v.a. Steiniges schätze und meine Begleitung lieber in der Bucht chillt. Es war ein "Urlaubs, der knapp über zwei Jahre dauerte" - und wie in einer Art Urlaubstagebuch habe ich immer wieder Texte geschrieben, die hier nun auch über verschiedene Ausgaben der Schlagzeilen (bzw. über verschiedene Kategorien des Blogs) verteilt sind.


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