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Das Kloster der Birgitten

Der Autor dieser Geschichte hat meine BDSM-Biographie und meine Spielnamen hervorragend analysiert und dann darauf aufbauend diese Fantasie entwickelt. Ich war total berührt beim Lesen! Vielen Dank!

Schön gelegen war das Kloster der Birgitten, in hügeliger Landschaft, in der Nähe ein Fischteich mit Forellen, und auf den saftigen Wiesen graste das Vieh. Dem Orden ging es gut, seit die Heilige Birgitta von Schweden ihn im 14. Jahrhundert gegründet hatte. Sie gehörte zu den einflussreichen und emanzipierten Frauen des Mittelalters, korrespondierte mit Majestäten und auch der Papst lieh ihr sein Ohr. So hatte sie genug an Mitteln, würdige Stätten des Nachsinnens und der Einkehr zu schaffen, und genug Geschmack, um die richtigen Menschen an sich zu ziehen. Vor allem aber hatte sie mehr als genug an Mut und Voraussicht, eine Ordensregel zu verfassen, die auch ihren Nachfolgerinnen über Jahrhunderte bis in die jetzige Gegenwart 1607 die Freiräume erhalten würde, derer sie selbst nicht entbehren wollte. Außergewöhnliche Freizügigkeit für ihre Zeit bewies ihr Entschluss, auch Männern die Aufnahme in ihren Ordensstätten nicht zu versagen, aber die Entscheidungsbefugnisse übertrug sie dem „schwachen Geschlecht“; und da Entscheidungen wenig Wert sind, wenn sie nicht notfalls auch gegen Widerstand durchgesetzt werden können, beließ sie auch die Strafgewalt in weiblichen Händen. Wie es sich für eine spätmittelalterliche Gründung geziemte, waren auch körperliche Züchtigungen vorgesehen, die freilich üblicherweise mit ziemlicher Milde vollzogen wurden, sodass die meisten der zahlreichen Postulanten männlichen Geschlechts mangels Raum ebenso wie mangels Fähigkeiten, mit denen sie sich hätten nützlich machen können, abgewiesen werden mussten. Der Äbtissin kam da die nicht inkomplexe, zugleich hoch inspirierende Aufgabe zu, die passenden Anforderungsprofile zu erstellen und die geeignetsten unter den Bewerbern zu ermitteln.

So saß sie eines frühen Abends wieder einmal vor den in der vorangegangenen Woche eingegangenen Sendschreiben, Wurfzetteln und Protokollvermerken der Pfortenschwester, voller offener Aufnahmebereitschaft, wer und was sich wohl so anböte. Die meisten Briefe legte sie ungeöffnet beiseite. Möge die Priorin sich um die Rechnungen und die Angebote der Wein- und Spezereienhändler kümmern. Dem Kloster ging es nicht schlecht, und wer etwas Ordentliches zu offerieren hatte, wandte sich gerne an die geschmackvollen und genussfähigen Glaubensschwestern, die es nicht nötig hatten zu feilschen. Doch die eher spirituelle Äbtissin überließ die Auswahl der kulinarischen Genüsse liebend gerne ihrer Wirtschaftsleiterin, während ihre eigene Neugierde vor allem einem gesiegelten Brief galt, als dessen Absender Wolfgang, ein in Köln ansässiger Lehrer der Theologie, gezeichnet hatte. Erst vor einigen Wochen war die Klosterregentin in der Begegnung mit einer in der Nähe ansässigen Amtskollegin des Benediktinerordens über diesen Geistlichen ins Gespräch gekommen. Die Freundin rühmte sein Verständnis für die Belange, Werte und Ziele, aber auch die Spannungen und Zerwürfnisse, die in einer spirituell orientierten Frauengemeinschaft bisweilen auftreten können; als Beichtvater des Klosters treffe er nicht nur vernünftige, sondern sogar gütige Entscheidungen, ohne es an der zuweilen gebotenen Strenge, Konsequenz und Disziplin mangeln zu lassen. Zugleich sei er in der Fakultät seines Lehrinstituts, wenn auch als fleißig und äußerst belesen geschätzt, nicht unumstritten. Man werfe ihm vor, allzu eigenwillig zu denken, und auch wenn er seine Überzeugungen in wohlgesetzte Worte zu fassen verstehe, so verüble manch einer ihm doch gerade diese Unangreifbarkeit, gegenüber der sich selbst die Inquisition als machtlos erwiesen habe, obwohl er ihr schon durch mutige Verteidigung angeklagter Ketzer manch willkommenes Opfer abspenstig gemacht habe. Sollte dieser umstrittene Priester sich etwa mit seinem Schreiben bei den Birgitten um ein Amt bemühen wollen, das die Äbtissin ihm von sich aus anzutragen bereits erwogen hatte? Das würde nun allerdings das von der Amtskollegin gezeichnete Bild eines bescheidenen, rücksichtsvollen, ja bei allem fachlichen Selbstbewusstsein im Übrigen fast demütigen Mannes reichlich beschädigen. Etwas beklommen, aber nicht frei von hoffender Zuversicht, brach die Äbtissin das Siegel, um aufmerksam die in recht schwungvollem, nicht immer ganz so einfach zu entziffernden, Schriftbild verfassten Zeilen zur Kenntnis zu nehmen; dabei lösten sich ihre anfänglich etwas verspannten Gesichtszüge, bis sie zuletzt sanft lächelte.

Im Anschluss an die Vespermesse bat die Äbtissin die ihr vertraute Schwester Sara um ein Gespräch. Schwester Sara war vor 13 Jahren in den Orden eingetreten, nachdem sie ihr dreijähriges Noviziat mit unglaublicher Hingabe absolviert hatte. Ins Kloster war sie aus freien Stücken gekommen, da sie unerachtet – vielleicht sogar gerade wegen? - ihrer Herkunft aus einer wohlhabenden und angesehenen Adelsfamilie keine Möglichkeit sah, sich mit einer der zu ihrer Zeit für Frauen „in der Welt“ vorgesehenen Lebensformen zu arrangieren. Sie galt ihrer Familie als verschlossen, nachdenklich, mehr der Wissenschaft als den – in ihren Kreisen durchaus zahlreichen und oft opulenten- Vergnügungen zugewandt; zugleich warf man ihr gelegentlich etwas „Störrisches“ vor, und als sie das 14. Lebensjahr vollendet hatte, artikulierte ihre Mutter zunehmende Bedenken, ob man eine angemessene Partie für sie finden werde. Als dann die ersten Besucher erschienen, die der Vater ihr – stets freundlich und etwas verblümt – als „Werber“ bekannt machte, teilte Sara nach einigen Monaten, in denen sie noch verschlossener auftrat als zuvor, den Eltern ihren Entschluss mit und fand sich bereits drei Tage später als Postulantin bei der Äbtissin ein. Die Äbtissin ahnte gleich die Neigung der jungen Frau zum Unbedingten in jeder Hinsicht. Ohne ihr die Vorzüge des Klosterlebens zu verschweigen, wies sie Sara doch nachdrücklich auch auf die Opfer hin, die das Leben abseits vom Weltgetriebe fordere und die wohl erträglich sein könnten, wenn man sich ihnen bereitwillig füge, wahren Reichtum jedoch nur dann in sich bürgen, wenn man sie ersehne und freiwillig vermehre. Sara folgte den Ausführungen der Äbtissin mit schweigendem Kopfnicken und zusammen gekniffenen Lippen, so wie sie die letzten Monate in der heimischen Burg angetroffen worden war. Anschließend stand sie wortlos auf, ergriff die an einem Wandhaken hängende Geißel, reichte sie mit demütiger und zugleich trotzig-auffordernder Gebärde der Äbtissin und kniete vor ihr. Zehnmal ließ die Äbtissin die Geißel auf den schmalen Rücken sausen. Schon der erste Hieb zerriss die feine Seidenbluse der Postulantin und rote Striemen zeichneten sich ab. Die Äbtissin atmete nach jedem Hieb hörbar tief durch, während die Gezüchtigte auch nicht den geringsten Laut von sich gab. „Und?“ fragte die Klostererregentin. „Ich bleibe“, versicherte Sara und fügte fast unhörbar, aber zum ersten Mal nach langer Zeit wieder mit befreitem Lächeln, hinzu, „Lady Lava!“.

Und die Novizin hielt, was sie versprach. Kurz nach Ablegen der vollen Gelübde ernannte die Äbtissin sie zur Novizenmeisterin, einem Amt, das normalerweise erst nach langjährigem Ordensleben übertragen wird. Sara wurde von den angehenden Schwestern, die fortan ihrer Obhut und Leitung unterlagen, immer verehrt: alles, was sie von ihnen verlangte, erfüllte sie selbst doppelt und dreifach, und wenn eine der jungen Frauen sich zu einer Prüfung oder Aufgabe nicht überwinden konnte, übernahm die Lehrerin deren Erfüllung solange, bis die Schülerin es als Ehre empfand, dem Vorbild nachfolgen zu dürfen.

Nachdem das kurze Gespräch mit der Äbtissin beendet war, begab sich Sara mit dem ihr überlassenen Schriftstück auf ihre Zelle und entzündete das Licht, um sich der neuen Lektüre hinzugeben. Nach den üblichen Präliminarien, mit denen der Verfasser seine guten Kenntnisse der Werte und Traditionen des Birgittenordens erkennen ließ und ihnen seine hohe Wertschätzung zum Ausdruck brachte, ging es recht schnell zur Sache. Als Theologe sehe der Verfasser sich vor die ehrenvolle, aber auch schwere Aufgabe gestellt, nicht nur eine stimmige Glaubenslehre in Worte zu fassen, sondern diese auch menschlich und seelsorgerisch überzeugend zu vertreten. Nun habe er in Bälde den Gegenstand der Asketik an seine Hörer zu vermitteln; dabei werde er nicht nur Studenten, sondern zweifellos auch kritische Kollegen vor sich haben, die seine Rechtgläubigkeit sorgsamer Überprüfung unterziehen und diesbezügliche Bedenken dem Bischof gewiss nicht vorenthalten werden. In weiten Bereichen stimme er ja mit den anerkannten Lehren der Kirchenväter überein; allein die Aufforderung zur Bereitschaft freiwilliger Erduldung von Schmerzen und Demütigungen, ja zur bewussten Suche nach solchen dunklen Grenzerfahrungen, könne er zwar wohl irgendwie als hoch bedeutungsvoll empfinden, schwerlich jedoch vor dem zu erwartenden Auditorium vertreten und rechtfertigen. Wohl habe er die Selbstgeißelung praktiziert, sie aber stets als zwiespältig empfunden, sei er doch zugleich Opfer und Täter. Wolle als Opfer er sich unbedingt unterwerfen, so scheitere dies stets daran, dass er als Täter aktiv bleiben müsse und dabei oft zusätzlich an seine Grenzen gerate. Wie aber solle er sich – wenn nicht als Missionar in feindlichem Umfeld, zu welcher Funktion man ihn nicht berufen habe – der unbedingten Fremdgeißelung unterwerfen können? Beginge er eine Straftat, die mit harter Auspeitschung bestraft werde, könne er zwar die gesuchte Erfahrung machen, wäre fortan jedoch seines Lehramtes enthoben; die hiermit verbundene Demütigung könne zwar eine heilsame Lehre für ihn sein, allein der Triumph der Gegner bürge die ernsthafte Gefahr, dass all das, was er an Zugeständnissen der Glaubenslehre an die Bedürfnisse der Menschen erarbeitet hatte, zunichtewürde. Weit prekärer noch verhalte es sich mit der Demut: Sich sich selbst zu unterwerfen, sei ein Paradox. Dem Feind sich zu fügen, komme wohl in Betracht, wenn dieser keinen ungerechtfertigten und gefährlichen Triumph daraus zöge, was jedoch faktisch kaum zu vermeiden sei. Es bedürfe also – zumindest für ihn – gewissermaßen einer verstehenden Assistenz, um zu erfahren, bis zu welchem Grade die Erduldung von Schmerzen und Demütigung die Seele zu erheben mag und wo sie nur noch als drückend empfunden wird. Im Übrigen werde er in seiner Vorlesung – da sei er sich bereits jetzt ganz klar – Anstoß erwecken, indem er darauf beharren müsse, dass stets zunächst die Bereitschaft zur Schmerzerduldung erwirkt worden sein müsse, ehe dieser Weg der Asketik in der Tat gangbar werde. Über diese Bereitschaft verfüge er nun aber freilich in recht hohem Maße und wolle darum ersuchen, ob er die angestrebte Assistenz in der Niederlassung der Ordensfrauen erfahren könne. Nachdem die Novizenmeisterin die Sache überschlafen hatte – es bedurfte für sie keines längeren Nachdenkens, aber sie wollte sich in die Seele des Schreibers hineinspüren und -träumen-, reichte sie während der Laudes das Schriftstück mit einem Kopfnicken zurück an die Äbtissin.

Wolfgang fand sich zu dem vorgegebenen Zeitpunkt am frühen Abend im Kloster ein. Die Pfortenschwester führte ihn in den Disziplinraum, wo er vor einem Passionsaltar schweigende Andacht hielt, bis wenig später Schwester Sara eintraf. Sie lächelte ihm zu und bat ihn, Platz zum Gespräch mit ihr zu nehmen. Ohne Vorgeplänkel kam sie auf ihre Vorstellungen zur Schmerzaskese, die zugleich eine Ekstase möglich werden lassen könne, zu sprechen, wobei sich ihre Gedanken als noch weit differenzierter erwiesen, als Wolfgang sie in seinem Schreiben hatte andeuten können. Bald ergab sich ein lebhafter Gedankenaustausch, bis beide spürten, dass zunächst einmal alles Wichtige gesagt war. Wolfgang entkleidete sich bis zum Gürtel. Sara legte die Fesseln um seine Handgelenke, die sie an einem Dachbalken befestigte, sodass ihr Seelenfreund in gestreckter Haltung nur noch auf den Zehenspitzen stand. Etwa eine Minute schweigender Andacht verging, ehe die von der Novizenmeisterin geführte Ochsenpeitsche mit voller Kraft den Rücken traf. „Im Namen des Vaters“, sprach Wolfgang leise, und unvermittelt pfiff der nächste Hieb auf ihn nieder, „und des Sohnes“… „und des Heiligen Geistes“, …., „Amen“, …. Sofern die Geißelung Jesu nach dem jüdischen Gesetz der Thora durchgeführt wurde, muss er 39 Hiebe erhalten haben. Jeden dieser Schläge vollzog Sara mit voller Kraft, jeweils mit einer kurzen Meditation über Schmerz und Leidensfähigkeit verbunden, die oft nur wenige Wörter umfasste und in keinem Fall mehr als eine Minute währte, aber durch ihren tiefen Gehalt jeglichen Schmerz veredelte, sodass Wolfgang erst nach einer längeren Pause zum Schluss wieder ganz bei sich ankam und ein „Danke!“ sprach. Sara inspizierte die Spuren, die die gemeinsame Meditation auf dem Rücken und der Brust Wolfgangs hinterlassen hatte. Sie strich sanft über die Striemen, die insbesondere da, wo sie sich kreuzten, tief reliefartig hervortraten. Nach einer Pause bemerkte sie: „Tiefer noch als die Leidensfähigkeit unseres Erlösers muss wohl die seiner Mutter gewesen sein, als sie mitansehen musste, wie ihr liebster Sohn dem Opfertod preisgegeben wurde. Würdest Du auch diese Schmerzen meditieren wollen?“ Auf das Nicken Wolfgangs hin ergriff Sara sieben Haarnadeln. Während sie diese nacheinander recht zügig in seine linke Brust in und um die Brustwarze stach, meditierte sie über das den beiden vertraute Bild der 7 Schwerter im Herzen der Gottesmutter. Wolfgang empfand die Stiche nach dem Vorangegangenen als beinahe mild und süß, doch nachdem er Sara dies gesagt hatte, schüttelte sie den Kopf: „Maria war zart und süß, und wenn Du jetzt fühlst wie sie, so bist Du ihr nahe, aber nicht ihren Schmerzen.“ Auf die Frage und Bitte, „kannst Du mich diese Schmerzen lehren?“, griff Sara wortlos zur Peitsche, mit der sie genau sieben Mal heftigst zuschlug, bis die Haarnadeln zu Boden gefallen waren. Dann hielt sie ein und löste die Handfesseln.

Gemeinsam vor dem Altar kniend, verrichteten sie ein stilles Gebet, ehe Wolfgang leise mit der unvergleichlichen Exerzitienmeisterin zu sprechen begann. „Tief hast Du mich berührt. Deine Weisheit und Konsequenz haben mich mir nahe gebracht. Wenn ich nun aber zu spüren glaube, dass ich auch Dir nahe gekommen bin, empfinde ich dies als Eitelkeit und Anmaßung. Weise mich an meinen Platz!“ Sara deutete wortlos zu ihren Füßen. Zärtlich zog Wolfgang ihr die Schuhe und Strümpfe aus und begann, ihr voll demütiger Hingabe die vom Tagewerk gezeichneten Füße zu streicheln, sie zu küssen und zu lecken. Sara blickte ihn zärtlich an. Sie spürte etwas in sich aufsteigen, das tatsächlich Nähe hätte genannt werden können. Zugleich fühlte sie eine Sehnsucht, diese Nähe mit der verwandten Seele zuzulassen. Dicht davor, sich fallen zu lassen, sich den von der zärtlich-leidenschaftlichen Liebkosung ihrer Füßen aufsteigenden Wellen hinzugeben, wurde sie sich bewusst, dass sie hiermit aus der ihr von der Äbtissin zugewiesenen Rolle ausbrechen würde. Ihrer eigenen Gefühle nicht mehr sicher, entzog sie Wolfgang abrupt ihre Füße, und mit der knappen Bemerkung, „Demut geht anders.“, verließ sie den Raum und begab sich auf die Suche nach Eva.

Eva war im Kloster eben solange wie Sara. Da sie nie die Profess abgelegt hatte, galt sie nicht als Schwester. Sie war die Magd. Aus einer reichen Bauernfamilie stammend, war sie als Kind in mancher Hinsicht das Gegenteil von Sara. Immer lustig, ließ sie sich auf jeden Scherz und Unsinn ein. Sie tollte mit den Kindern der Knechte und Mägde über die Felder und durch die Ställe, machte jede Mutprobe mit und übertraf dabei die meisten Jungens nicht nur an Kraft, sondern auch an Phantasie und Wagemut. Lange ließen die Eltern, die mit der Verwaltung des Betriebes und der Hauswirtschaft ausgelastet waren, sie gewähren. Doch nachdem der Vater sie einmal mit einem anderen Mädchen und vier Jungen im Matsch raufend erwischt hatte, wechselte die häusliche Gangart. Eva wurde gezwungen, Schuhe und Strümpfe anzuziehen, was sie bis dahin höchstens im Winter und zum Kirchgang getan hatte. Sie musste sich vom „Personal“ fernhalten, wurde in ein teures und vornehmes Internat geschickt, wo sie Unterweisung in allen möglichen feinen Handarbeiten und der Musikausübung am Clavichord erhielt. Vor allem „gutes Benehmen“ musste sie lernen und bekam erläutert, wie man mit angemessener Distanz und zugleich perfektem Überblick ein Hauswesen zu dirigieren hat. Nach 2 Jahren wurde sie nach Hause geschickt und der Vater teilte ihr mit, dass sie mit dem Sohn und Erben eines nicht unweit benachbarten noch wesentlich begüterten Landbesitzers verlobt sei und diesen in 14 Tagen heiraten werde. Eva wurde dem Mann vorgestellt, der nur wenig älter war als sie. Er war hochaufgeschossen, dürr, sprach mit hoher Stimme. Unsicher blickte er an sich selbst herab. „Wir werden schon irgendwie miteinander zurechtkommen“, meinte er. Eva, voller Liebesbereitschaft und Einfühlungswillen, blickte ihn warmherzig an und versicherte, „wir werden uns super zusammenraufen, und zwar am besten jetzt gleich.“ Voller Spontaneität umarmte sie ihn, worauf er mit einer ängstlich abwehrenden Handbewegung reagierte. Eva lächelte ihn an. Sicher hätte sie sich einen anderen Mann gewünscht, aber ihr Vater hatte nun einmal entschieden. Liebevoll bat sie ihren Anverlobten, „Lass mich doch nur mal!“, und wollte sich anschicken, ihm einen zärtlichen Kuss auf die Wange zu geben. Daraufhin bekam ihr Verlobter einen Schreikrampf und brüllte mit seiner Fistelstimme, man habe ihn mit einer Wahnsinnigen zusammengeführt. Die Väter kamen herbei. Eva wurde in ein Zimmer gesperrt. Ihr Vater fragte sie, was vorgefallen sei, und Eva beichtete alles. Er glaubte ihr aufs Wort, denn bei allem, was man an ihr hätte aussetzen können: gelogen hatte sie nie. Trotz stundenlanger Bemühungen gelang es ihrem Vater nicht, den Schwiegersohn in spe und zumal dessen Vater zu überzeugen, dass ein gewisser Gegensatz der Temperamente einer Bindung nicht dauerhaft im Wege stehen müsse, sogar Chancen für die Weiterentwicklung der Partner bieten könne. Obwohl ihm die „Partie“ willkommen gewesen wäre, fühlte er sich zusehends schlechter, seine Tochter wie „Sauerbier“ anzupreisen. Schließlich konnte er nicht mehr an sich halten und sagte dem aufgeregt vor ihm sitzenden jungen Mann, was für ein erbärmlicher Waschlappen er sei und dass die Verbreitung von Einzelheiten über sein Verlobungsgespräch sehr wohl geeignet sein könnte, die allgemeine Heiterkeit zu bedienen und seinen Marktwert trotz riesigen Vermögens nicht unbeträchtlich zu schmälern. Wortlos verließ der solchermaßen Belehrte mit seinem Vater umgehend den Raum. Noch während Evas Vater überlegte, ob ihm sein Temperament am Ende nicht doch etwas durchgegangen sei, erschien der Landesherr in seiner Funktion als oberster Richter und setzte ihn in Kenntnis, Eva sei durch einen Zeugen zweifellosester Glaubwürdigkeit der Ausübung eines gewalttätigen Angriffs bezichtigt worden, den der Angegriffene nur dank seiner männlichen Überlegenheit, Geistesgegenwart und Tapferkeit habe abwehren können. Es werde kaum eine andere Wahl bleiben, als die offensichtlich Geistesgestörte auf Lebenszeit in ein Tollhaus zu verbringen, da gebe es „bei einem solchen Zeugen“ absolut nichts zu beschönigen. Da der Landesherr als bestechlich galt, bemühte Evas Vater sich um diplomatische Kotaus mit hohen verbalen und pekuniären Prämien, bis der Richter sich schließlich gegen große Opfer erweichen ließ, eine lebenslange Unterbringung der Delinquentin in einem Kloster als Alternative zum Tollhaus zuzulassen. Da Evas Vater den Birgitten immer nur beste Ware zu einem außerordentlich fairen Preis geliefert hatte, bedurfte es keiner allzu großen Überredungskünste, einen Platz im Kloster für sie zu finden, zumal Äbtissin und Novizenmeisterin aus dem offenen Eingeständnis der ganzen Geschichte die Schlussfolgerung auf eine interessante Persönlichkeit ihrer zukünftigen Mitbewohnerin zogen. Eva zog mit heiterem Lächeln ein. Unmissverständlich gab sie allerdings zu verstehen, dass Glaubensfragen ihre Sache so nicht seien und sie den Habit niemals tragen werde. Sie erbot sich jedoch, sämtliche Arbeiten zu übernehmen, und da sie bereits als Kind die harte Arbeit der Knechte und Mägde kennengelernt und zunehmend auch mit verrichtet hatte, war sie ein echter Gewinn für alle. Sie schuftete auf dem Feld, kehrte den Schmutz, leerte das Nachtgeschirr der Ordensfrauen in die Sickergrube aus und war dabei immer heiter und freundlich. Stets war sie barfuß in der Klosteranlage unterwegs, wo sie gerade gebraucht wurde, sodass Sara auch nach der unterbrochenen Begegnung mit Wolfgang ein wenig suchen musste, bis sie die Klostermagd schließlich in der Küche antraf, wo sie in der mit Wasser angefeuchteten Asche stand, die sie mit einem Schrubber vor dem Ofen entfernte, bekleidet nur mit einem schlabbrigen schmutzigen Kittel, der vorne offen stand. Auf Vorschlag der Novizenmeisterin, die beeindruckt auf die bis zu den Knöcheln fast schwarz verfärbten Füße der Klostermagd blickte, erklärte sich Eva sofort bereit, einem Mann das Gefühl der Demut zu vermitteln. Sie begab sich in den Disziplinraum, wo sie auf Geheiß Saras ihre Beine ausstreckte, während sie auf einem Hocker Platz nahm.

Wolfgang wusste, was von ihm erwartet wurde. Wortlos begann er, die Füße der Magd zu küssen und zu lecken. Eva lachte unbefangen und meinte, es sei schon ewig her, dass sie zuletzt die Füße gewaschen habe, und nun werde ihr die Mühe sogar abgenommen. Sie witzelte ein wenig über den Geistlichen, bemerkte zugleich anerkennend, dass er vielleicht auch zu einer passablen Magd angeleitet werden könne. Respektvoll betrachtete sie seinen zerstriemten Rücken, um dann zu bemerken, „unsereins bekommt´s aber eher auf den Arsch, wär das auch was für Dich?“ Nun musste Wolfgang die Hosen runter lassen. Die Magd klopfte ihm kräftig, aber irgendwie kumpelhaft-liebevoll, mit der bloßen Hand auf den Hintern. Langsam intensivierte sie die Schläge, als sie merkte, dass er keine Schmerzreaktionen von sich gab. Dann sprang sie plötzlich auf, holte eine Lederklatsche und setzte das Spiel fort. Wolfgang ging immer mehr in sich hinein, was Eva zu der Bemerkung veranlasste: „Du musst aber auch was tun!“ Sie streckte ihm ihren nackten Hintern hin, worauf Wolfgang bemerkte, dass er sie nicht schlagen könne. Eva lachte. „Wer hat denn von Schlagen gesprochen? Du bist doch hier zum Lecken!“ Daraufhin spreizte der Theologe ihre wohlgeformten Hinterbacken, um hingebungsvoll in Richtung der Rosette zu lecken. Eva ließ ein bisschen Stuhl abgehen und verkündete mit etwas belehrendem Unterton: „Ja, auch davor darf eine gute Magd nicht zurückschrecken.“ Schließlich bot sie Wolfgang auch ihr vorderes Loch dar, das schon recht feucht war. Während er sie dort wusch, wuchs seine Leidenschaft und Eva verspürte Lust auf seinem zunehmend anwachsenden Pfahl zu reiten. Wolfgang versuchte sie abzuhalten, woraufhin sie – zum ersten und einzigen Mal etwas gereizt wirkend – entgegnete: „Niemals mehr wird ein Mann mich verschmähen dürfen, wenn ich ihm meine Zuneigung schenken möchte.“ Wolfgang versuchte ihr zu vermitteln, dass er Demut von ihr lernen, nicht aber von ihr verwöhnt werden wolle. Eva parierte: „Wenn ich es will, musst Du es dulden, und dann ist es Demut.“ Wolfgang sah sich durchschaut. Nun musste er Farbe bekennen und einräumen, dass er als Geistlicher eine Frau seines Herzens habe, der er das Intimste vorbehalten möchte. „Hast Du Dich offen zu dieser Frau bekannt?“, wollte Eva wissen, doch Wolfgang musste gestehen, dass nur einige engste Vertraute um seine Liebe wüssten. „Das wird sich jetzt ändern“, bemerkte Eva, und forderte Wolfgang nun zu absolutem Gehorsam auf. Auf der Streckbank gefesselt, lag er bald wehrlos vor ihr, als Eva ihn aufforderte, den Namen seiner Geliebten Preis zu geben. Danach suchte sie einige Metallstücke, die sie in eine Schiene steckte, um sie dann an einem langen Eisenstiel zu befestigen und tief in der Glut des Kamins zu versenken. „Ahnst Du, was gleich passiert? Es wird nicht mehr nötig sein, dass Du Dich mit dem Mund zu Deinem Glauben auch an einen lebenden und liebenden Menschen bekennst. Wir machen das mit jeder Kuh. Sie trägt das Zeichen ihres Besitzers.“ Als sie den Eisenstiel aus der Glut entfernte, waren die Metallteile rot. Zügig kam Eva näher und drückte dem bewegungsunfähig auf der Steckbank Gefesselten liebevoll lächelnd das glühende Eisen in die Brust.

Nicht der Schmerz, der im Vergleich zu den Hieben Saras sehr erträglich war, aber die überwältigende Bedeutung des Geschehenen – und vielleicht auch der intensive Geruch seines verbrannten Fleisches- ließen Wolfgang in der Tiefe versinken. Als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwachte, saß Sara neben ihm. „Ich kann Dir gar nicht sagen, wie Leid mir tut, was Eva mit Dir gemacht hat, wie sie Dich von Deiner spirituellen Erhebung in ihre Welt gezogen hat. Ich wollte sie nur Deine Bereitschaft zu echter Hingabe vertiefen lassen, und dann vergewaltigt sie Dich fast. Die Magd wird büßen, was sie gemacht hat, und zwar heftig.“ Wolfgang widersprach behutsam: „Nein, es war mein Fehler. Ich hätte mich ihr hingeben müssen, als sie es gewollt hat. Ich will ihre Strafe auf mich nehmen.“ „Ob Du das verkraften wirst? Ich wollte sie auspeitschen so wie zuvor Dich mit 50 scharfen Hieben. Kannst Du die noch einmal ertragen, und zwar so wie man eine Magd auspeitscht, nämlich mit Schlägen wahllos auf den ganzen nackten Körper.“ Nachdem Wolfgang genickt hatte, beließ Sara ihn auf der Streckbank. „Zuerst 25 von vorne, aber ohne Meditation; die hat nur der Priester verdient, aber nicht die Magd.“ Traurig, den unvergleichlichen geistigen Genuss, der zuvor mit der Flagellation durch die Novizenmeisterin verbunden war, entbehren zu müssen, gab sich Wolfgang doch den nunmehr in beliebigem Tempo wahllos über seinen ausgespannten Körper gefetzten Hieben hin. Während Sara zuvor ihre Peitschenhiebe, entsprechend der geistlichen Botschaft, fast ausschließlich senkrecht und parallel zur Wirbelsäule geführt hatte, diktierte sie nun wortlos die Grenzen der Welt, indem sie waagerecht zuschlug und damit bei jedem Hieb die bereits bestehenden Schwellungen vertiefte und an mancher Stelle die Haut zum Platzen brachte. „Und jetzt umdrehen!“, forderte Sara, nachdem sie Wolfgang vorübergehend entfesselt hatte. Unbarmherzig vollzog sie den zweiten Teil der Strafe auf Rücken, Hintern und Waden, ja und ganz besonders die Fußsohlen, auf die sie die letzten 5 Hiebe platzierte. Selbst erschöpft band sie ihn los. „Und, was hast Du gelernt?“, fragte Sara fast etwas barsch. Wolfgang schwirrten die Sinne, sodass sie ihm zärtlich auf die Sprünge zu helfen versuchte: „Du hast es eben doch schon selbst gesagt.“ Als er auch jetzt nicht darauf kam, bot sie ihm ihre Weiblichkeit zur Hingabe an. Jetzt wusste er wieder Bescheid. Wenn auch noch etwas geschwächt, begann er zärtlich zu lecken und zu küssen. Sara glitt langsam an ihm hinunter und als sie in der Nähe seines Pfahls angekommen war, wollte Wolfgang ganz fest diesmal auch das letzte zulassen, ja er spürte Lust auf die Novizenmeisterin. Diese freilich begann liebevoll, aber auch ein bisschen spöttisch zu lächeln, schüttelte den Kopf und bemerkte: „Nein, auch ich muss die Grenzen meiner Demut wahren. Ich wünschte, ich hätte keine Lust auf Dich, dann brächte ich Dir im Moment jedes Opfer. Aber unsere Zeit ist um.“

Anschließend hatte Wolfgang noch Gelegenheit zu einem theologischen Gespräch mit der Äbtissin. Anerkennend hob er die hervorragende Disziplin in dem von ihr geführten Kloster hervor und bedankte sich für die bedingungslose Aufnahme und Erfüllung seines Anliegens durch die Schwestern. Er habe von ihnen gelernt, die spirituelle Bedeutung des Schmerzes von dem Schmerz der Demut und dem Schmerz der Strafe zu unterscheiden, die gründlichst voneinander getrennt werden müssten. Die Äbtissin erklärte ihrerseits Respekt vor der Konsequenz seiner theologischen Position. Eine Woche, nachdem er abgereist war, erreichte Wolfgang ein gesiegelter Brief des Klosters. Man sei im Konvent der abstimmungsfähigen Schwestern – zu dem ausnahmsweise in Anbetracht der besonderen Thematik auch die Klostermagd hinzugezogen worden sei - zu der einstimmigen Entscheidung gelangt, ihn als Beichtvater zu wählen. Wenn er sich die Ehre und den Schwestern die Gefälligkeit erweisen sollte, das Angebot anzunehmen, werde er viel zu tun haben. Er sagte zu.


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