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Mehrere Tabus

Abenteuer-Urlaub in Madagaskar: Ich fuhr für dreieinhalb Wochen zum Trekking und Animalwatching, war gespannt auf Lemuren und erpicht auf die körperliche Herausforderung einer Tour, die im Reiseprospekt unter „activity level: extreme“ eingestuft war. Ich würde abends müde sein und vermutlich nicht besonders gut riechen. Auf keinen Fall rechnete ich mit einer irgendwie gearteten erotischen Affäre. Doch dann entdeckte ich dort eine gänzlich unerwartete Faszination…

Du sitzt neben mir im Jeep, 20 Jahre jung, ein Boy mit tiefschwarzer, seidiger Haut. Mein Blick streift dich wieder und wieder. Ich berühre dich, streichele über deinen Arm, sage dir, dass ich deine Haut mag. An Sex oder an BDSM denke ich nicht. Ich sage genau das, was ich empfinde. Ich mag deine Haut, Laurent. Und ich liebe dein Lächeln.

Dein Lächeln, unbeschwert wirkend, strahlend weiße Zähne. Zu sehen, wie du mich anstrahlst, vertreibt meine Sorgen. Ein schöner Start in den Urlaub, mit einem Jungen an meiner Seite, der lacht. Ohne dich anbaggern zu wollen, streiche ich über eine kleine Narbe an deinem Handgelenk, suche ich einen platonischen Kontakt zu deiner Frische.

Abends in Isalo ein „hotely“ : ein Dorfkiosk mit Bierausschank und Musik. Tanze mit einem 19-jährigen Schwarzen. Nachdem ich nicht umhinkonnte, seine nackten tiefschwarzen Füße anzustarren. Mein Gott, entwickele ich, 36jährige Hardcore-BDSM-Bisexuelle und Vanillasex-Lesbe, etwa tatsächlich hier einen Fetisch für die Haut schwarzer Boys, die erst knapp volljährig sind???

Wie sehr mich eure junge schwarze Haut verzaubert hat…. wie gern ich euch berührt habe…wie zärtlich sehnsüchtig ich nach euch war: Laurents zarter Arm und später dann (nachdem von Nacht zu Nacht mehr Hüllen fielen) sein ganzer Leib, aber auch die Füße dieses tanzbegabten Kioskjungen, die Naturmuskeln mancher meiner Träger, die ich bewundernd ertasten durfte …. ihr alle wart zwischen 18 und 24, und meine lesbische Vanilla-Identität wurde von meinem Verlangen nach einer bloßen Berührung erschüttert und der offensichtlich für dieses Verlangen notwendige Altersunterschied und Rassenunterschied erschienen mir als „nicht pc“ … und dennoch habe ich mir jedes Mal gewünscht, dass die Berührung niemals enden möge! Mehr ersehnte ich nicht, als euch spüren zu dürfen. So habe ich die Haut eines Weißen / einer Weißen nie verehrt. Niemals einen Body Worship für die geilste Frau so tief empfunden. Auch auf die madagassischen Mulatten sowie auf gleichaltrige oder ältere Schwarze reagierte ich nicht mit dieser unerwarteten Heftigkeit. Wie ich es drehte und wendete, es gab keine Erklärung jenseits einer Fetischlust, ausgelöst durch junge tiefe Schwärze.

Harmloser Anfang unserer Affäre. Dich anhimmeln, mich in deinem Lächeln sonnen, deine Haut unter meinen Fingern spüren. Du akzeptierst ohne ein Zögern, dass ich an „normal sex“ nicht interessiert bin, dass ich dich streicheln, aber nicht verführen möchte. Ich erfahre, dass du noch Jungfrau bist.

Es kostet dich enorme Überwindung, auch deine Unterhose vor mir auszuziehen. Doch verwundert bekennst du, es sei „better than fucking“ (das „fucking“ deiner heimlichen Fantasien), wie ich dich am ganzen Leib hauchzart streichele, küsse, bezüngele. Du möchtest jedoch keinesfalls, dass ich dich zum Orgasmus reibe oder lecke, denn du hast dir das Masturbieren gerade mühsam abgewöhnt, weil du es für „not complete“ hälst. Ich wundere mich über mich selbst, denn das Soft-Petting, was ich mit dir praktiziere, bezeichnest du absolut treffend als „loverlike tenderness“ – Zärtlichkeit wie unter Liebenden - und üblicherweise ist mein Begehren zuhause nicht zärtlich, sondern dominant und drängend. Dass ich nicht wirklich in dich verliebt bin, sondern dich in deiner jugendlichen Schwärze fetischisiere, ist mir bewusst. Aber ich fetischisiere dich mit einem mich selbst verblüffenden Verlangen, das geradezu schmerzt.

Ich kaufe Latexhandschuhe in einer Pharmazie und lasse mich nachts im Zelt von dir fingern. Du sitzt neben mir, aufgeregt, „i’ve done it – i’ve really done it“ und sagst mir, dass du die Zuckungen meines Orgasmusses gemocht hast, meinen flatternden Atem. Doch am Tag darauf hast du ein schlechtes Gewissen, fühlst dich sündig – du bist streng katholisch.

Moralische Skrupel. Du erbittest, meine „pussy“ künftig nicht mehr anzufassen, obwohl (weil?) es dich erregt hat. Okay, Laurent – mir geht es nicht darum, dass du mich berührst, sondern dass ich dich berühre. Ich spüre, es ist spezieller als ein allgemeiner „Body Worship“, es ist „Black Skin Worship“. Immer intensiver streicht nun meine Zunge über deinen Leib. Zwar habe ich zuvor schon Geliebte mit Zungenbädern verwöhnt, aber nie war die Kraft meiner eigenen Sehnsucht dabei so hoch.

Meine Verehrung deiner Füße macht dir Schwierigkeiten: Mein „Body“ sei eine „Church“, ich dürfe diese nicht dadurch entweihen, meinen Kopf an deine schmutzigen Füße zu legen. Mir ist die Bibelstelle ebenfalls bekannt und ich erkläre dir, dass auch dein Body eine Church ist – inklusive der Füße. Du bist skeptisch, aber gibst dich doch letztlich leise seufzend hin, zumal ja deine Füße frisch geduscht sind.

Ich gestehe dir, dass ich an deine Füße vor zwei Tagen bereits mein Gesicht gepresst habe, als wir bei Regen nachts in einer Hütte Unterschlupf gesucht hatten. Deine Füße waren WIRKLICH schmutzig, und auch das widersprach meinen Gewohnheiten, denn nie zuvor stand ich auf „Mud Play“. Doch in dieser Nacht in einem Raum voller Menschen mein Gesicht an deine ungewaschenen Sohlen zu pressen, mit denen du den ganzen Tag über barfuß durch die Wildnis mit mir gewandert warst, auch dies war Teil meiner geheimen, selbst vor mir selbst geheimen, Sehnsucht gewesen, deren Erfüllung ich mir gegönnt habe. Bei strömendem Regen war ich dann vor die Hütte zum Masturbieren gegangen, hatte an deine schwarzen, dreckverkrusteten Füße gedacht, gegen die ich mein Gesicht gekuschelt hatte, während du schliefst. „So you have raped me“ konstatierst du, als ich dir nun im Nachhinein davon berichte - du bist überrascht, aber du nimmst es mir nicht übel.

Zwei Drittel meiner Reise sind nun um. Für das letzte Drittel müssen wir uns trennen. Ein Inlandsflug führt mich nach Masoala in die Tiefen des primären Regenwaldes. Ich weiß, ich werde dich vermissen.

Vielleicht wird uns ein allerletzter Tag bleiben, wenn ich zurückkomme nach Tana, ein Tag, den ich in einem Flughafenhotel mit dir verbringen möchte. Falls du es willst. Ich zittere, denn mir ist deine Ambivalenz bewusst.

Ich nehme mir vor, dich für die Dauer dieses letzten Drittels aus meinen Gedanken zu verbannen und meine Touren unbeirrt von Fantasien zu genießen. Es gelingt nicht. Immer wieder kommst du in meine Gedanken.

Ein Wasserfall. Traumhaft. Meine weibliche Guide macht Siesta. Sie hat berichtet, dass sie es hier am Wasserfall schon erlebt hat, wie ein Touristenpärchen leidenschaftlich „Liebe gemacht“ hat in den tosenden Gewässern. Ich frage sie, ob sie das nicht gestört habe. Nein, denn es waren ja schließlich Touristen. Touristen ist sowas erlaubt. Die Madagassen würden derartiges niemals tun.

Ich bin auch Touristin. Suche mir einen glatten Stein, auf den ich mich lege. Nackt bin ich bereits, habe mich gleich beim Eintreffen am „waterfall“ entkleidet und im kühlen Nass erfrischt. Nun bescheint die brüllendheiße Sonne meinen nackten Leib, während ich masturbiere.

Schon immer mochte ich Selbstbefriedigung in freier Natur. Üblicherweise OHNE sexuelle Gedanken, OHNE erotische Fantasie, OHNE BDSM-Sehnsüchte. Üblicherweise genieße ich bei Outdoor-Onanie den Einklang mit der rauen Wildheit der Natur, fühle mich als Teil von ihr, lasse mich treiben – auch auf einen Orgasmus, aber ohne diesen bewusst als „Sex“ zu erleben. Eher als Höhepunkt der eigenen Naturverbundenheit. Ich schaue auf Berge, Wälder, Gewässer oder-was-auch-immer und reibe mich und komme. Meine typischen Sex- oder BDSM-Fantasien, die ich zuhause beim Wichsen habe, hatte ich dabei noch nie. Aber heute – heute gelingt diese Trennung nicht. Ich blicke auf Wasser, Wald und Himmel – und sehe plötzlich vor meinem geistigen Auge deinen schwarzen Schwanz, der sich über meinen weißen Körper schiebt. Sehe nur Penis und Bauch, nur Körperteile, schwarz und weiß. Black skin fetish! Noch immer denke ich nicht an Verkehr. Unvorbereitet, ohne dies je zuvor mit dir fantasiert zu haben, pisst mich dein schwarzer Fantasie-Schwanz an. Goldene Dusche aus schwarzem Pimmel auf weißen Leib. Deine Fantasie-Pisse fließt in meine Möse. Wie gern wäre ich real mit DIR in diesem Wasserfall, vor dieser Kulisse, und ich will nicht ficken – nur deinen Sekt!

Noch zweimal wichse ich. Noch zweimal komme ich stöhnend in freier Natur und denke an goldene Pisse und Zwei-Farben-Haut.

Und in mir erwächst die Sehnsucht, dich am letzten Tag darum zu bitten, mich anzupissen. Ein einfacher Wunsch? Oder ein komplettes Tabu für dich?

Ja, ich habe dir gesagt, dass ich „sadomasochist“ bin und habe dir erklärt, dass dies mit Schmerz zu tun hat. Einmal hast du sogar unbeholfen versucht, mir wehzutun, um mich glücklich zu machen damit - aber ich habe klargestellt, dass ich das gar nicht möchte hier. Nur deine Haut begehre. Für SM daheim viel bessere Kontakte habe. Nichts von dir erwarte.

Kann ich eine Urindusche von dir erwarten??? Oder wird dich das schockieren, genauso wie dich das Heavy Petting und die Fußerotik schon befremdet haben? Wirst du es für „schmutzig“ halten, für „bad“?

Aber auch abends im Zelt liegend sehe ich immer wieder deinen imaginären pissenden Schwanz. Und das Dreier-Farbenspiel aus Schwarz, Weiß und Gold geht mir nicht aus dem Kopf. Das Verlangen danach wächst. Ich weiß ja nicht einmal, ob wir uns überhaupt am letzten Tag meines Urlaubs noch wiedersehen werden…. meine Ungewissheit brennt sich immer tiefer in mich ein - ebenso wie die Ungewissheit, ob ich dich zu benennen wage, wonach ich mich sehne, falls du mich nicht versetzt…..

Als mir meine Local Guide in Masoala mitteilt, dass sie eine SMS erhalten habe, die besagt „Laurent sera à l’aeroport“ (Laurent wird am Flughafen sein), da jubelt mein Herz und wie eine verliebte Göre singe ich in Endlosschleife vor mich hin: Laurent sera à l’aeroport, Laurent sera à l’aeroport, Laurent sera à l’aeroport.

Im Hotel falle ich über dich her. Meine Hände greifen gierig unter dein Shirt, meine vor Hitze gesprungenen Lippen finden deine weiche Haut. Mein Begehren wird übermächtig.

Ich will mit dir duschen. Nach 7 Tagen pausenlosem Trekking hab ich das auch mehr als dringend nötig!

Wir reiben uns mit Seife ein, ich wasche trotz deines leichten Sträubens auch deinen erigierenden Schwanz mehr als gründlich (aber ohne dich zum „Point of no return“ zu bringen, weil du das explizit auch auf erneute Nachfrage nicht möchtest), du ignorierst konsequent meine Pussy. Egal. Ich will keinen Orgasmus, ich will mit fast verzehrendem Verlangen deinen Urin.

Ich knie mich vor dich, während du stehst, beuge mich zu deinen Füßen herab, du willst mich in die Höhe ziehen. Willst keine Demutshaltung von mir. Wie kann ich dich fragen, ob du mich anpinkeln willst, wenn dir schon das zuviel ist? Ich frage nicht…. wir trocknen uns ab.

Ich schiebe die beiden getrennten Betten zusammen, erwarte nicht mehr als das Streicheln wie in den vergangenen Tagen. Und sehe aus den Augenwinkeln, wie du dich vor’s Klo stellst, um zu pinkeln. Das „No“, was ich fast schreiend ausstoße, kommt auch für mich selbst unerwartet. Du guckst mich verblüfft an, erklärst mir, dass du doch nur pissen möchtest.

„Yes – please wait“. Es ist keine bewusste und keine rationale Entscheidung von mir, im Gegenteil: alles spricht dagegen, diesen tabubehafteten Madagaskar-Jungen mit „Perversionen“ zu belasten. Ich hatte bereits erkannt, dass dies den letzten Tag ruinieren könnte. Ich hatte ihn nicht ruinieren gewollt.

Ich habe ihn ruiniert. Bin in die Dusche zurückgekehrt, habe mich kleingemacht, habe dich vor mich gezogen, dich gebeten „Piss on me“. Dein Entsetzen, als du verstanden hast. Fassungslose Nachfrage, ob ich das wirklich meine. Erneute Nachfrage, ob ich sowas schon früher gemacht habe. „Yes, of course.“ – natürlich. „I even drank piss.“ - Ich habe sogar schon Pisse getrunken. Warum um Himmels willen sage ich das????

Er hat sich angewidert abgewendet. Schockiert, sich mit einer derart besudelten Frau eingelassen zu haben. Keine Berührung, kein Kuss mehr. Mein noch immer nach seiner Dusche sich verzehrender Körper, mein mich tadelnder Verstand, wieso ich mein verdammtes Maul aufgemacht habe. Meine Selbstkritik, dass ich meine Instinkte ignoriert und meiner irrwitzigen Geilheit auf einen schwarz-weiss-goldenen Orgasmus meiner Fetischlüste nachgegeben habe.

Dass ich mit Schmerzzufügung „perverse“ Erfahrung hatte, hatte ihn nicht gestört, auch wenn er es nicht wirklich nachvollziehen konnte. Doch „Schmutzigkeit“ war sein Tabu. Dass ich mich nicht nur mit seinen schlammverkrusteten Füßen, sondern auch mit der Gülle von Menschen entweiht habe, das sprengte endgültig die Grenzen. Dass ich Pisse getrunken habe. Es half nichts, wieder und wieder absolut wahrheitsgemäß zu beteuern, dass dies für mich etwas Intimes ist, was ich zwar schon getan habe, aber immer nur in sehr engen, liebevollen Beziehungen. Dass ich selbst über mich erstaunt bin, dass ich DIESE Fantasie mit IHM habe. Dass er es als Zeichen meiner überraschend tiefen Hingabe verstehen möge.

Er hat ins Klo gepinkelt. Und dann ins Klo gekotzt, voller Abscheu, sich mit mir jemals eingelassen zu haben. Das war mein letzter Tag mit ihm.

Ich sitze im Flugzeug und weine.


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