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… und meiner Männlichkeit

Ein kleiner dicker Mann in voller Lederkluft kniet in dem Gayclub vor dem Master. Der Master thront auf einem breiten Holzsessel und befehligt den Alpha-Sklaven, der einen der anderen Club-Gäste malträtiert. Und er hat den kleinen Dicken, der schüchtern im Türrahmen stand und spannte, zu sich gewinkt. Erst an seine Seite, dann mit einer Handbewegung zu seinen Füßen geordert.

Der Dicke beantwortet seine Fragen wortkarg, ein- oder zweisilbig. Wie er heißt? Ein knappes Wort als Antwort. - Was er will? Schläge und Tritte. - Ob er schüchtern ist? Hm.

Der Master erklärt ihm, dass er sich seiner Figur nicht schämen müsse. Und fordert ihn auf, sich auszuziehen. Der vor ihm Kniende schüttelt den Kopf. Und fängt sich dafür eine Ohrfeige.

Blickt ihm gerade in die Augen, aber schüttelt wieder den Kopf. Er kann sich nicht ausziehen im Gayclub. - Als er befragt wird, was los ist, gibt es wieder eine Silbe: “Trans.”

Der Master schaut verdutzt drein, dann fängt er an zu kapieren. “Frau zu Mann?” fragt er, und der Dicke antwortet “Ja”.

“Du bist also in Behandlung?” - “Ja.”

“Sind die Brüste schon ab?” - “Nein.”

Ich bin stolz. Es hat funktioniert. Mein Passing hat besser funktioniert als erwartet.

Er schlägt mich. Sein Alpha schlägt mich. “Du hast als Frau sehr hart gespielt?” fragt er mich. - “Ja.”

Dann stellt er zu viele Fragen. Ja, ich habe ein psychologisches Attest über Transidentität, aber eigentlich verstehe ich mich nicht als trans-sexuell, sondern als gender-switch. Wenn ich Mann bin, dann vollkommen. Wenn ich Frau bin, dann vollkommen. Immer in sexuellen Situationen.

In nicht-sexuellen Situationen bin ich “weder-noch”, bin ich “Nicht-Frau”, bin ich “Mensch” ohne Geschlecht. Wenn ich beim Bäcker Brötchen kaufe, will ich Brötchen.

Mein Passing habe ich über viele teure Outfits und Unter-Outfits perfektioniert bis zu diesem Erfolg. Ich habe eine Schwanz-Prothese, mit der ich pissen kann. De facto schmerzt mich das Unterkorsett zwar weitaus mehr als seine harten Rohrstock-Hiebe, aber das ist es mir wert.

Ich bin in dem Moment da, wo ich hingehöre.

Er erklärt, dass ich “keine Behinderten-Schonung” erhalten werden. Ob ich das verstanden habe? - “Ja.” Ob es das sei, was ich will? - “Ja.”

Dennoch wird es dann etwas schwierig. Denn obwohl ich gay sein will, mache ich mir um Safety mehr Gedanken als die meisten Clubgäste. Dort benutzt man Kondome beim Ficken, ich möchte sie auch beim Blasen benutzen. Und obwohl ich die Vorstellung erregend finde, dass mein Kopf in die Pißrinne getaucht wird, erkläre ich das aus Sorge vor Krankheitsübertragung zum Tabu. Ähnliches gilt für das Ablecken diverser Kleidungsstücke, Fußböden und Körperteile. - Scheiße. Ich bin nicht ganz da, wo ich sein will.

Mein Unterkorsett macht mich unbeweglich. Ich kann nicht so schnell über den Boden robben, mich nicht mal an meine eigenen Schuhe beugen, um die Fußsohlen für eine Bastonade freizulegen. Und irgendwann macht mein Kreislauf schlapp - immerhin quetsche ich meinen Körper durchweg in überenge Kleidung, und die Räume sind gut geheizt.

Ich werde es perfektionieren. So, wie ich es - seit ich angefangen habe, Geld und Zeit und Gedanken und Energien in die Verwirklichung dieses Traumes zu investieren, mir das zu gestatten- nach und nach mehr und mehr getan habe. Anfangs konnte mein Schwanz nicht pissen. Anfangs musste ich bei jedem Einlass an der Tür über “Trans welcome?” diskutieren. Jetzt kann ich sogar ein einfaches Gespräch führen.

Werde ich geschlagen, schreie ich zu mädchenhaft. Soll ich selbst den Rohrstock führen, verfalle ich in weibische Bewegungen. Er verspricht, mir das auszutreiben. Einen ganzen Kerl aus mir zu machen.

Vor etwa einem Jahr habe ich für die Schlagzeilen einen Text verfasst: “Die Entdeckung meiner Weiblichkeit”. Vor etwa zwei Jahren habe ich geschrieben: “Ich will alles von zart bis hart mit meiner neuen Beziehung erleben.” - Die Beziehung hat nicht gehalten. Aber ich will immer noch alles erleben. Erst recht alles erleben. Von ganz soft bis ganz brutal. Von ganz Kerl bis ganz Frau. Alles.


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