Vorlieben

Forniphilie: Die Vorliebe, ein Möbelstück zu sein

Es gibt nicht nur lebendige Gummipuppen, es gibt auch lebendige Möbel. Einige SMer genießen es, sich selbst zu objektivieren. (Verwandt ist bis zu einem gewissen Grad auch das Pet Play, bei dem man sich zwar nicht zum Gegenstand, sondern zum Tier entmenschlicht.)

Selbstverständlich ist eine solche Entmenschlichung eines Menschen nur im Rahmen eines wohlinszenierten Rollenspiels möglich. Dazu ist es wichtig, daß der aktive Part die Motive des passiven Parts gut versteht bzw. selbst an der rollenspielerischen Objektivierung seines Gegenübers ein souveränes Vergnügen empfindet.

Ausgeliefert sein

Wer kein Mensch und nicht einmal ein Tier ist, kann sich nicht wehren. Dies spielt typischerweise beim Wunsch, ein Gegenstand zu sein, eine wesentliche Rolle.

Benutzt werden

Möbel sind Nutz-Gegenstände. Wenn sich jemand als Möbelstück benutzen läßt, ist dies eine sehr intensive Form des Dienens. Ein Möbelstück wird nicht "bespielt", sondern muss häufig lange unbeweglich in derselben Position verharren. (Hier finden sich Überlappungen zu Zwangs-Spielen, weil es sich um Zwangs-Positionen handelt. Man kann auch von einer "mentalen Bondage" reden, weil üblicherweise keine reale Fesselung des Lebendmöbels erfolgt, sondern er eine unbequeme Position aus freien Stücken einzuhalten bemüht ist, um seine Herrin nicht zu enttäuschen bzw. um seine Möbelfunktion nicht vorzeitig zu verlieren.)

Body Part Fetish

Oft steht der Wunsch des Subs, ein ganz bestimmtes Möbelstück zu werden, in einem direkten Zusammenhang mit erotisierten Körperteilen oder Fetischisierung bestimmter (Femdom-)Handlungen. Auf einem Hocker legt die Top zum Beispiel ihre Füße ab, was manchen Fußfetischisten glücklich macht; auf einem Lebendstuhl platziert sie ihren göttlichen Po.

Nicht ganz ein Möbelstück, aber doch der Forniphilie zugerechnet

Obwohl ich einen Aschenbecher, einen Kerzenhalter oder eine Buffetplatte nicht als "Möbelstück" bezeichnen würde, werden auch Objektivierungs-Spiele mit lebenden Aschenbecher und Kerzenhalter oder Lebendbuffets oft der Forniphilie zugeordnet.

Die Art der Benutzung

Nicht nur die Nähe zu bestimmten erotisierten Körperteilen der Möbelnutzerin, sondern auch das hautnahe Miterleben bestimmter Handlungen, die im Zusammenhang mit der Benutzung des konkreten Möbels bzw. Gegenstands stehen, kann das Motiv des Passiven sein.

Zum Beispiel hat eine Lebendtoilette höchstwahrscheinlich eine Vorliebe für NS- und ggf. KV- Spiele und erfreut sich daher an der entsprechenden Benutzung. Gleichermaßen wird der Aschenbecher höchstwahrscheinlich eine Vorliebe seinem Smoking Fetishm frönen.

Ein Kerzenhalter mag (und fürchtet evtl. lustvoll) vermutlich das Spiel mit Wachs, das früher oder später auf ihn tropfen wird; und/oder er wünscht bzw. wird gezwungen, die Kerze in seinem Anus aufzunehmen und genießt die (u.U. als demütigend empfundene) Penetration.

Gelegentlich erfüllt die Art der Benutzung den Passiven sogar mit Ekel - das Ausharren-Müssen als lebendes Möbelstück ist dann eine besonders tiefgehende Strafe oder Demütigung.

Inwieweit lebendig - inwieweit tot? Übergang zum Robot Fetishism

Wie bei allen Rollenspielen, in denen jemand etwas anderes verkörpert, als er tatsächlich ist (z.B. ein Erwachsener ein Baby oder ein Mensch ein Tier) kann das Rollenspiel erklärende Verschachtelungsebenen beinhalten (z.B. eine strenge Mami, die ihren schon erwachsenen Sohn noch wie ein Baby behandelt oder eine Herrin, die einen Sklaven zu ihrem Hund abrichtet) und "Fehlverhalten" seitens des Subs entsprechend dominant und/oder sadistisch ahnden (z.B. durch Tadel und Züchtigungen), oder man geht "in-role" davon aus, daß für die Dauer des Spiels derjenige dasjenige tatsächlich IST und ignoriert z.B. bei einem Lebendmöbel die Lebendigkeit (dann schimpft die Möbelnutzerin z.B. einfach im Selbstgespräch auf das Einrichtungshaus, dass ihr so einen "wackeligen Tisch" verkauft hat).

Man kann aber auch dem Gegenstand oder Lebendmöbel eine künstliche Intelligenz zuschreiben, die ihrerseits wieder versagen kann und die ggf. auch einer Erziehung bzw. "Umprogrammierung" zugänglich ist. Eine lebende Gummipuppe wird somit z.B. zum hochtechnisierten Sexroboter, und gleichermaßen kann ein Tisch z.B. auch mit einem Chip oder einer Fernsteuerung (ausgespielt z.B. via Estim oder "Sprachsteuerung") versehen sein, um Servier- oder Abräum-Aufgaben selbständig zu erledigen oder es kann die Aufgabe eines lebenden Bettes sein, sich regelmäßig aufzuschütteln (wie das passiert, ist dann der jeweiligen Fantasie und Vorliebe überlassen).

Ein hochtechnisiertes Multifunktionsmöbel, das mehrere Funktionen selbständig auf Befehl erfüllen kann, ist letztlich ein Roboter. Es gibt sowohl Menschen, die eine sexuelle Vorliebe für echte Roboter haben (von der Vorliebe für Maschinensex bis hin zur Vorliebe für humanoide Sexroboter) als auch Menschen, die eine Vorliebe für die Objektivierung ihrer selbst bzw. ihrer Spielgefährten als Haushaltsroboter oder Sexroboter haben. Beides läuft unter dem Begriff Robot Fetishism - der fließende Übergang zwischen einer Objektivierung zum unbelebten Möbel und zum künstlich intelligenten Roboter liegt auf der Hand, letzteres läßt dem Sub natürlich (im wahrsten Sinne des Wortes) mehr Bewegungsspielraum.


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