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D/S-Masturbationspraktiken und -fantasien (Mindplay)

Diese Selbstoffenbarung wurde mir von einer lesbischen D/S-lerin zugesendet, die sich wegen ihrer Bevorzugung von Kopforgasmen ohne physisch-genitale Stimulation auch als "mind-sexuell" bezeichnet. Ihre Art des Mindplay verkörpert dabei eine nach meinem Verständnis "reine D/S-Sexualität" in einer Reinform, die ich so bis dato nicht kennengelernt hatte.

Tatsächlich masturbiere ich nur sehr selten (ca. ein Mal im Monat) mit physischer Stimulation meiner Klitoris. mit physischer Stimulation meiner Klitoris. Dabei ist aber garnicht der Orgasmus das Ziel, sondern eher der anhaltende Zustand des physischen Erregtseins und diese Masturbation findet meist in zeitlicher Nähe zu meinem Eisprung statt, hängt also wahrscheinlich stark mit meinem Hormonhaushalt zusammen. Penetration ist dazu nicht nötig. Für mich ist das so logisch, wie etwas zu essen, wenn man Hunger hat oder aufs Klo zu gehen, wenn man muss. Hier fantasiere ich kaum und auch wenn ich zum Orgasmus komme, bin ich danach nicht wirklich… wie soll ich es ausdrücken… glücklich? - Kann man mal machen, wenn nötig, aber naja.

Viel öfter masturbiere ich jedoch "im Kopf". Diese Art von Masturbation empfinde ich nicht als die schlichte Befriedigung eines körperlichen Bedürfnisses, sondern als viel befriedigender. Meist beginnt es mit einer Fantasie, und die "Ausführung" dieser Art von Masturbation kann unterschiedlich sein:

Ich bin zum Beispiel eine sehr gute Zeichnerin und wenn ich anfange zu fantasieren, fange ich manchmal an zu zeichnen. Ich zeichne dann meine Fantasien, während sie entstehen. Die Zeichnungen haben oft sehr übertriebene Proportionen und körperliche Haltungen, die wahrscheinlich für Menschen nicht wirklich machbar wären, aber den Erregungszustand ausdrücken, in dem ich mich befinde.

Manchmal zeichne ich mehrere aufeinanderfolgende Szenen, zum Teil intensiviere ich jedoch auch nur eine Szene in mehreren ähnlichen Bildern, bis es mir gefällt.

Warum ich das auch als Masturbation bezeichne? Weil ich während des Zeichnens erregt bin, also auch feucht werde, mein Herz klopft und mir wird leicht schwummrig. Wenn ich irgendwann aufhöre, fühle ich mich befriedigt, auch wenn ich nicht wirklich einen physischen Orgasmus hatte. Dabei erregt mich natürlich nicht der Akt des Zeichnens an sich (also ich bin nicht angeturnt von Bleistift und Papier), sondern die "Umsetzung" meiner Fantasien.

Andere Male reicht es mir, mich in eine Position zu bringen, die meinen Fantasien entspricht. Zum Beispiel knie ich dann vor meinem Bett und/oder nehme etwas in den Mund. Oder ich präsentiere mich auf eine bestimmte Weise (also z.B. Hinterteil in die Höhe, Gesicht auf den Boden gedrückt). Ich brauche dann nichts weiter zu machen, als meiner Fantasie freien Lauf zu lassen und die Anspannung der oft schwierigen Haltung (Anmerkung von Lady Sara: Stress Positions) auf meinen Körper wirken zu lassen und fühle mich nach einer Weile sehr befriedigt und werde sogar körperlich müde. Bei nichts davon berühre ich mich selbst untenrum.

Diese Art von Masturbation erlaube ich mir erst seit ein paar Jahren. Davor habe ich mich einfach mit dem physischen Reiben der Klitoris einmal im Monat zufrieden gegeben und war frustriert, weil mir verständlicherweise etwas gefehlt hat. Worüber ich fantasierte, passte damals nicht zu meinem körperlichen Verhalten, das im ersten Absatz beschrieben ist.

Meine Fantasien enthalten oft Frauen, die eine bestimmte Qualität haben, wegen der ich mich zu ihnen hingezogen fühle. Manchmal sind sie gesichtslos und repräsentieren nur diese Qualität, andere Male sind es bestimmte Personen aus der realen Welt, die mich inspiriert haben. Tatsächlich wirkt sich das auch stark auf mein Attraktivitätsempfinden aus.

Zum Beispiel hatte ich als Teenager Fantasien über eine Lehrerin, weil mich ihre Intelligenz und ihre Fähigkeit, mich anzuspornen und im richigen Moment zu loben, so beeindruckt hat und obwohl sie eine korpulente Frau mittleren Alters war, war sie für mich dadurch unheimlich schön.

Ein anderes Mal habe ich einen Song aus dem Musical "Chicago" von Queen Latifah gehört, die ich bis dahin noch niemals als Person gesehen hatte. Ihre Stimme hat mich aus irgendeinem Grund wahnsinnig erregt und daraufhin habe ich mir das Musical angesehen und empfand sie als atemberaubend schön.

Meine sie betreffenden Fantasien waren aber meist gar nicht auf ihr Aussehen, sondern auf ihre Stimme konzentriert -also ihre Qualität- und meist hat sie mir darin erlaubt, sie zu befriedigen, während sie mit mir gesprochen oder mir vorgesungen hat.

In keiner meiner Fantasien werde ich im Genitalbereich berührt, sondern meistens nur am Kopf oder Rücken gestreichelt und evtl. zur Belohnung geküsst.

Wie schon in meinen Fantasien würde ich es auch in Liebes- oder Spielbeziehungen nicht wollen, dass mich irgendjemand im Genitalbereich berührt. Hier ein kleiner Vergleich, um es verständlicher zu machen: Der Gedanke, dass mich jemand anderes im Genitalbereich in irgendeiner Weise stimuliert, ist für mich ungefähr so erotisch, wie wenn mir jemand einen Spuckefinger ins Ohr stecken würde: also nicht nur unerotisch, sondern auch unangenehm.

Andererseits hätte ich nichts dagegen, auf Wunsch meine Partnerin im Genitalbereich zu stimulieren, wenn es sie glücklich machen würde - jedoch nicht, weil ich ihre Vagina in irgendeiner Weise anziehend fände, sondern weil mich der Gedanke erregen würde, ihr etwas zu geben.

Ich glaube, dass ich vielleicht so eine Art Glücks-Junkie bin, d. h. dass es mich erregen würde, die Wünsche des Gegenübers zu erfüllen. Zwar auch an einigen Stellen berührt oder durch Worte psychisch stimuliert zu werden, aber nur als eine Art Belohnung und als Zeichen der Wertschätzung.

Dass die physische Erregung manchmal gar nicht nötig ist, zeigt eine meiner Fantasien, die ich "Waffelfantasie" nenne. Meistens lebe ich dann mit zwei Frauen zusammen, die nach dem Aufwachen anfangen, Sex zu haben. Während die beiden sich vergnügen, mache ich in der Küche Waffeln und Kaffee und bringe es ihnen dann ans Bett. Ausgepowert vom Sex freuen die beiden sich darüber so, dass sie mich küssen und wir dann alle zusammen kuscheln. Ich weiß, dass ist furchtbar kitschig, aber es ist auch meine weichgewaschenste Fantasie.

Dies bedeutet also nicht, dass ich nicht auch einen Biss (dieser hat einen besonderen Platz in meinen Fantasien) oder einen Knebel oder eine Fesselung erregend finden könnte, wenn es meinem Gegenüber irgendetwas gibt. Im Gegenteil: Je schwerer die Aufgabe zu ertragen ist, desto belohnender ist das Gefühl.

Meiner Theorie nach ist diese Art von Sexualität allerdings nicht weniger egoistisch, als Dinge für sein eigenes körperliches Wohl zu verlangen, da man den anderen ja nicht aus reiner Herzensgüte glücklich machen will, sondern aus dem Wunsch heraus, dadurch einen speziellen Zuspruch zu erlangen.

Es ist ein Fakt, dass ich genitale Stimulation meinerseits durch Andere völlig ausschließe, und für mich selbst auch psychische Stimulation als befriedigender ansehe. In dieser Hinsicht bin ich also "mind-sexuell".

Dieselbe nicht-genitale Praktik (z.B. ein Biss) kann für mich erregend sein, wenn es das Gegenüber glücklich macht oder es als Belohnung gedacht ist, und völlig abturnend, wenn ich weiß, dass sich das Gegenüber weder geistig noch physisch dadurch angesprochen fühlt. Sobald ich das Gefühl hätte, dass mein Gegenüber etwas sogar als unangenehm empfindet, könnte ich mich deshalb vielleicht sogar schlecht fühlen.

Aus demselben Grund kann eine gewöhnlich unangenehme Handlung, die mein Gegenüber aber mag, nifür mich auch erregend sein kann. Solange ich geistig also unterwürfig wäre, könnte ich vielleicht sogar physisch der Top sein, auch wenn das selten so in meinen Fantasien vorkommt. (Anmerkung von Lady Sara: Submissive Topping ist eine spezielle Form des Service Toppings. Hier werden beispielsweise sadistische Dienstleistungen, wie ein Flogging oder Whipping, für eine masochistische, aber dominante, Spielpartnerin zu deren Wunscherfüllung erbracht.)

Mir ist übrigens ein Riesenstein vom Herzen gefallen, dass Sie mich nicht für verrückt halten, sondern tatsächlich eine Theorie dazu haben: dass meine Sexualität eine "reine D/S-Sexualität" ist. Als ich dies gelesen habe, habe ich wirklich kurz gezittert vor Aufregung und Freude. Das hat mich selbst ein bisschen überrascht. In den letzten Tagen hatte ich mir alle möglichen Horrorszenarien ausgemalt, was Sie jetzt über mich denken könnten. Eine ausgeprägte Fantasie zu haben, ist eben manchmal doch kein Segen. - Oder vielleicht doch, wenn man erstmal mit sich im Reinen ist? Mit der Veröffentlichung bin ich daher absolut einverstanden und sogar ziemlich glücklich darüber: Vielleicht liest das ja dann auch mal so jemand wie ich und traut sich eher, einen Schritt zu wagen!


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