Vorlieben

Domination & Submission (kurz: D/S)

Die Abgrenzung von Submission und Devotion; Demütigung, Erniedrigung und Demut

BDSM umfaßt die Anfangsbuchstaben der Wortpaare Bondage & Discipline, Domination & Submission, Sadism & Masochism. Hier geht es jetzt um D/S , also um Domination & Submission - das Spiel mit der Hierarchie, der Macht und Ohnmacht, dem psychologischen "Oben" und "Unten" (während sich S/M = Sadism & Masochism im engeren Sinne nur auf die Schmerz-Praktiken bezieht, die ein solches Hierarchie-Spiel begleiten können, aber nicht müssen - S/M kann Mittel von D/S oder auch reiner Selbstzweck sein!)

Der in der spielerischen Hierarchie höherstehende, mächtigere Part wird als der dominante Part (der Dominus oder die Domina) bezeichnet, der niedere Part ist der submissive oder devote Part. Die Begriffe Submission und Devotion werden im deutschsprachigen BDSM-Raum meist sehr synonym verwendet, was nicht ganz korrekt ist: Submission bedeutet Unterwerfung / Unterordnung, Devotion bedeutet tiefe Hingabe und Verehrung bis hin zur Aufopferung - und identisch ist das nur im Falle hingebungsvoller Unterwerfung - im Gegensatz z.B. zu widerspenstiger Unterwerfung oder emotionsloser Unterordnung.

Demut ist ein Bewußtsein der eigenen Unbedeutsamkeit oder Unvollkommenheit (einer anderen Person, einem Gott/einer Göttin oder einem eigenen Ideal gegenüber). Je nach Kultur- und Glaubenskreis wird diese Gesinnungshaltung für eine Tugend gehalten. Jemand, der dieser Tugend nacheifert, demütigt sich selbst vor dieser (tatsächlichen oder idealisierten) Macht. Die Demut geht aber nicht automatisch mit Selbstverachtung einher, man kann sich auch der eigenen Kleinheit bewußt sein, ohne sich wert- und würdelos zu fühlen. So kann mancher Christ/Jude/Moslem sich in Gottes Hand geborgen fühlen und sich Gott gegenüber demütig "an seinem Platz" wissen, ohne diesen Platz für eine schlechte Position zu halten. Ein Knecht/eine Magd kann seinen Herrn/seine Herrin ehren und sich demütig verhalten, ohne unzufrieden zu sein oder undankbar um seine Stellung. Und im BDSM kann Demut auch mit gegenseitiger Liebe einhergehen. Die Demut ist auf jeden Fall die eigene Gesinnungshaltung der Kleinheit, die über das Selbstwertgefühl zunächst noch nichts aussagt. Natürlich demütigt sich gerade im BDSM auch mancher in eine (spielerisch) "unwürdige" Position hinein aus freien Stücken, macht sich kleiner, als er wirklich wäre - und somit erniedrigt er sich selbst von seiner "Ausgangsposition" herunter. Was aber natürlich die "Ausgangsposition" ist, ist -im realen Leben wie in der BDSM-Session- subjektiv.

Nicht nur der Sub kann sich selbst demütigen, er kann auch von seiner Herrin gedemütigt werden. Oder der Glaubende von seinem Gott. Oder der Knecht von seinem Meister. Das heißt, der machtvolle Part bringt den abhängigen Part in die Demut zurück - an seinen ihm "gebührenden" Platz; an seine Ausgangsposition, wenn er sich in Hochmut "selbst erhöht" hat ODER (ggf. im willkürlichen Machtmißbrauch) auch in eine niedrigere Position - letzteres ist dann eine (spielerische) Erniedrigung (ein Humilation Play). Besonders erniedrigende Demütigung ist oft mit Hohn/Spott/Beschimpfung oder Verlachung verbunden, sie ist dem Opfer auf (im SM-Kontext meist lustvolle) Weise peinlich und hier wird auch gern und bewußt zu überzogenen Mitteln gegriffen. Gerade hier sind im BDSM die meisten Stolperfallen, denn was den einen Sub lustvoll erregt, erscheint dem anderen schlichtweg ärgerlich/lächerlich und verletzt einen anderen wohlmöglich ernsthaft in seiner Psyche - deshalb sollte hier stets ein ausführliches Vorgespräch über Vorerfahrungen, Vorlieben und Tabus stattfinden.

D/S als Element im -zeitlich klar begrenzten- Rollenspiel; oder als 24/7 - Arrangement bzw. Dauerversklavung

Üblicherweise ist D/S Hierarchy Play im Studio-Kontext auf eine kurze Dauer von meist 1-3 Stunden angelegt, seltener werden Langzeit-Sessions von halbtägiger, ganztägiger oder mehrtägiger Dauer gebucht. Die D/S-Hierarchie ist dann ein spielerisches Element innerhalb eines klar begrenzten Rollenspiels, d.h. es gibt einen deutlichen Anfang und ein klares Ende dafür, z.B. markiert durch Anlegen/Abnehmen des Sklavenhalsbandes im klassischen Herrin-Sklave-Szenario. Eine derart temporäre D/S-Inszenierung als "Herrin" und "Sklave" entspricht der wohl weitverbreitesten Form der spielerischen Sessioninszenierung. Viele D/S-Kunden im Studio suchen genau das und schätzen ein Gespräch "out-of-role" vor/nach Sessionbeginn/ende auf gleicher Augenhöhe.

Manche Subs wünschen sich aber auch eine Dauerversklavung durch ihre Herrin - am liebsten möchte der Sklave 24 Stunden lang und dies 7 Tage die Woche seiner Herrin zur Verfügung stehen - diese Sehnsucht läßt sich angesichts der realen Lebensumstände (berufliche Situation von Sklave und Domina, private/familiäre Beziehungen, finanzieller Background / Sessionhonorar) nicht ohne Einschränkungen umsetzen. Die idealisierte Dauerverfügbarkeit des Sklaven bei gleichzeitiger Willkür der Herrin läßt sich im professionellen Kontext allerdings in Form einer Abrufbereitschaft des Sklaven innerhalb -anhand der realen Lebensumstände geeignet festgelegter- vorbesprochener Bereitschafts-Zeiträume realisieren, ggf. in Kombination mit verschiedenen Formen der Fernerziehung und Hausaufgaben für den Sklaven: das Honorar wird in solch einem Dauersklaven-Arrangement ggf. nicht terminspezifisch, sondern als Monatspauschale, vom Sklaven an die Domina, entrichtet. Das Arrangement kann -ohne ständige Zwischenbesprechungen- durch Einstellung der monatlichen Zahlung seitens des Subs gekündigt werden. Gleichermaßen kann natürlich auch die professionelle Herrin, deren Sub im Rahmen seiner Dauerversklavung unangemessene Erwartungen an sie stellt (unangemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis) oder die aus sonstigen Gründen das Dauerarrangement beenden möchte, eine Kündigung der D/S-Dauerbeziehung auch jederzeit aussprechen (auf D/S-Ebene formuliert: den Dauersklaven verstoßen), und für eventuell bereits empfangene Restbeträge noch eine angemessene Anzahl regulärer Einzel-Sessions anbieten. Stellt weder der Sub die Zahlungen ein noch äußern er oder die Herrin einen Beendigungswunsch, gilt das 24/7-Dauerarrangement als im beiderseitigen Einvernehmen zu den vorab individuell vereinbarten Konditionen verlängert.

Ein eventueller Sklavenvertrag findet nur übergreifende Anwendung bzgl. nicht (zugunsten eines spielerischen Macht-Ohnmachts-Gefälles und/oder eines Fear Plays fiktiv eingeschlossener) sittenwidriger Passagen und kann die Verpflichtung zur Eigenverantwortung des Subs niemals aufheben.


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