BlogReflexionen

Woran halten sich Träume?

Eine Beziehung ist zerbrochen. Und ich denke über die "Normalität" vom Aufblühen und Sterben von Liebe nach - offenbar auch in völlig unkonventionellen Beziehungskonstellationen.

Ich frage mich, ob diese Steps "normal" sind und ich mehr "Normalität" hatte, als ich mir wünschte.

• Step 1: (Miß)-Verständnis von Angenommensein (es kann nur ein Mißverständnis sein, weil man sich ja noch nicht kennt)

• Step 2: Darauf basierendes Sich-Einlassen auf körperliche Berührung, die -in Zusammenhang mit der (Fehl-)Annahme des Angenommen-Seins- ein großes Glücksgefühl auslöst ("Verliebtsein")

• Step 3: Wohlgefühl, das idealerweise aus 1 + 2 resultiert (aber auch direkt aus 1 + der Berührung resultieren kann -> dann wurde das "Verliebtsein" übersprungen) sowie evtl. (aber nicht zwingend) auch aus alltagspragmatischer Hilfe

• Step 4: Erkennen, wo die Lücken in der Annahme des Angenommenseins liegen (wird wohl immer erfolgen, es sei denn, man vermeidet total und dauerhaft ein echtes Kennenlernen) bzw. wo das Angenommensein tragfähig ist oder durch Dran-Arbeiten tragfähig werden kann

• Step 5: Weiternutzen des Wohl-Gefühls und/oder der alltagspragmatischen Hilfe, auch wenn das Glücksgefühl weg geht/ist

• Step 6: Damit wird es zur pragmatischen Beziehung (mit oder ohne Wohlgefühl, ohne Verliebtheit) oder man trennt sich

Das ist gerade meine These, dass es immer (oder meistens) so abläuft. Dass das "normal" ist.

Und dann stellt sich die Frage: Woran halten sich Träume, wenn der Tag / die Realität sie uns nimmt?

Als lebensbejahender Mensch ist klar, immer ALLES daran zu setzen, alle noch realisierbaren Träume zu verwirklichen. Aber manche Träume, die untrennbar nicht mit einer Idee, sondern einer Person verbunden waren, sterben, wenn der Kontakt stirbt.

Wie machen es andere Menschen, wenn die Träume aus ihren Beziehungen sterben? Wie machen es andere Menschen, wenn andere Träume unverrückbar an anderen Realitäten (Beruf, Krankheit o.ä.) zerschellen?

Und welche der personenbezogenen Träume können durch professionelle oder privat-professionelle Kontakte ersetzt werden, und wo bleiben uns trotz (oder wegen) aller Lebensbejahung nur ein gewagter Mix aus Trauer, Mut und Selbstannahme? Braucht es ein Anerkennen der Normalität und Banalität, dass Liebe immer Konstrukt ist, und häufig flüchtiges Konstrukt?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

Beziehungs-Rückblicke

Im Folgenden stelle ich noch ein paar Texte ein, die ich im Lauf der Beziehung verfasst hatte - wir waren zu dritt in einer polyamourösen Konstellation, ich als ein "Einhorn" - wenn man die Definition der Poly-Community dafür etwas lockerer als gewöhnlich nimmt. Ich hatte Freiheiten, weitere Affären und noch eine weitere Beziehung. Aber gegenüber diesen beiden Menschen war ich im Dreieck eben "die von draußen", denn sie waren bereits seit vielen Jahren ein (zu?) vertrautes Paar.

Anfangs dachte ich, all unsere Schwierigkeiten lägen an meiner "Nicht-Normalität". Abgesehen davon, dass er Nylon-Fetischist war und Friseurrollenspiele liebte, fiel er -anders als ich- nirgendwo auf. Lebte mit ihr, die noch weniger auffiel, ein sehr bürgerliches Leben. Eins, wo "man" drauf achtet, was "die Nachbarn sagen".

Ich habe mich ganz neu mit Beziehungs-Definitionen und mit Kommunikationsproblemen auseinandergesetzt, und auch einige Traumata meiner eigenen Biografie bearbeitet. Aufgearbeitet. Ein lieber Freund und ehemaliger Physik-Studienkollege schrieb mir, als ich mich darüber mit ihm austauschte:

Es ist wie beim Lawson Kriterium für die Kernfusion, wo das Produkt aus Einschlusszeit, Einschlussdruck und Einschlusstemperatur überschritten werden muss, damit die Reaktion zustande kommt. Ich habe das aus der Physik heraus übertragen und spreche gerne vom Lawson Kriterium für positive Gefühle. Das Produkt aus Dauer und Intensität positiver Gefühle muss eine relativ hohe Schwelle überschreiten, damit man sie wahrnehmen kann. Ich glaube, dass Heilung eintreten kann, wenn mensch sich im Kontakt mit anderen Menschen wiederholt oder über längere Zeit wohl fühlt und das auch wahrnehmen kann.

Eine gewisse Art des Wohlgefühls habe ich in diesem "Dreieck" erlebt. An anderen - wohl ganz "normalen"- Problemen sind wir letztlich doch gescheitert. Erst stieg sie aus, dann er. Mich bezeichneten die beiden als "zu anstrengend", ich sie hingegen als "zu oberflächlich" - wir hätten alle im Dreck unserer Psyche wühlen können, und ich wäre als zuversichtliches Wiederaufsteh-Männchen wohl wieder und wieder aufgestanden und hätte Kommunikations-Mißverständnisse "aufgedröselt", denn wir sprachen verschiedene Sprachen der Liebe und, schlimmer, verkörperten mit Überzeugung gegensätzliche Sozialkonventionen der Höflichkeit bzw. Ehrlichkeit. Als ich nach Beziehungsende das Buch "Das hab ich nicht gesagt!" von der Linguistin Deborah Tannen (bezeichnenderweise im Bücherschrank meiner Mutter) entdeckte und las, dachte ich auf nahezu jeder Seite: "Das sind wir! Das waren wir!"

Wie wohl jede Beziehung hatte die Beziehung ihre Sonnen- und ihre Schattenseiten. Nur waren wir uns nie so ganz darüber einig, wieviel Sonne und wieviel Dämmerung uns gut tun. Es war vielleicht wie bei einer Trekking-Tour, wo ich v.a. Steiniges schätze und meine Begleitung lieber in der Bucht chillt. Es war ein "Urlaubs, der knapp über zwei Jahre dauerte" - und wie in einer Art Urlaubstagebuch habe ich immer wieder Texte geschrieben, die vor allem in den Schlagzeilen veröffentlicht wurden. Erst fand ich, sie gehören nicht auf eine Profi-Domsen-Seite. Aber sie sind aber zu schön und tief, um sie nicht auch auf dieser Homepage -als Einblick in private Stärken, aber auch Schwächen- einzustellen.

Texte über Liebe & Trauer, Alltag & Geilheit, Devotion & Abstürze

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Hier setze ich mich mit dem Abstürzen und Wieder-Aufstehen auseinander, was im Privaten (vielleicht) tiefere Wunden schlägt, weil beide Seiten sich (vielleicht) ganz fallenlassen: LESEN

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