BlogReflexionen

Sklavinnen und Sklaven im BDSM

Was macht einen Sklaven bzw. eine Sklavin eigentlich aus? Gibt es im BDSM immer Herrinnen bzw. Herren auf der einen Seite, und eben Sklavinnen bzw. Sklaven auf der anderen Seite? Was ist der Unterschied zu den Bezeichnungen "Tops" und "Bottoms" oder "Dom(me)s" und "Subs"?

Historische Sklaverei

Historisch waren Sklaven meist Angehörige eines Volksstamms, der -im Allgemeinen oder bis auf wenige Ausnahmen- als "unfrei" gegenüber eines herrschenden Volksstamms angesehen und behandelt wurde. Oft galten Sklaven auch rechtlich als Eigentum und konnten weder juristische Mittel einlegen noch eigenen Besitz erwirtschaften. Marx sprach später von "ökonomischer Sklavenhaltergesellschaft", wenn eine gesellschaftliche Arbeiterklasse für die wirtschaftliche Produktion des Landes schuftete, während eine bessergestellte Klasse den Großteil der finanziellen Lorbeeren einstrich.

"Typische" BDSM-Versklavungen

BDSM beinhaltet nicht immer Hierarchy Play, und wenn bewusst auf ein entsprechendes Gefälle verzichtet wird, ergibt auch die Bezeichnung der Passiven als "Sklaven" intuitiv keinen Sinn mehr. Dennoch setzen einige BDSM-er/innen die Begriffe "Passivus" - "Sklave" - "Sub" - "Bottom" (bzw. "Passiva" - "Sklavin" - "Sub" - "Bottom") und entsprechend die Begriffe "Aktivus" - "Herr" - "Dom" - "Top" (bzw. "Aktiva" - "Herrin" - "Domme" - "Top") miteinander gleich, wogegen nichts eingewendet werden muss, wenn man sich grundsätzlich darüber verständigt, was letztlich im jeweiligen Einzelfall gemeint ist.

Will man hingegen die Begrifflichkeiten differenzieren, dann können "Passivus" und "Bottom" auch für rein körperliche SM-Szenarien ohne DS-Komponenten verwendet werden, ein "Sub" unterwirft sich freiwillig und könnte ggf. auch jederzeit seine Einwilligung wieder zurücknehmen durch einen spontanen Haltungswechsel - ein Sklave hat hingegen metakonsensuell eingewilligt, für eine gewisse Dauer auf entsprechende Rechte zu verzichten. Diese Einwilligung kann, muss aber nicht, in einem Sklavenvertrag schriftlich festgehalten werden. Es kann auch einfach eine mündliche Absprache dazu geben, z.B. im einfachsten Fall: "Für die nächste Stunde bist du mein Sklave, und ich bin deine Herrin." Auch kann metakonsensuell verabredet worden sein, auf welche Bereiche sich die Versklavung beziehen darf, ob beispielsweise Arbeitseinsätze oder Lustdienste verlangt werden dürfen - oder sogar sollen. Hier geht es dann auch leicht "einfach nur" in ein Rollenspiel über, wenn der/die Aktive als "Herr/in" letztlich nur die Forderungen stellt, von denen sich der/die Passive wünscht, dass diese an ihn/sie als "Sklav/in" gestellt werden "sollen". (Und genau deswegen, weil dies sowohl in professionellen als auch in privaten BDSM-Beziehungen wohl deutlich häufiger vorkommt als andere Dynamiken, erübrigt sich auch die Abgrenzung zwischen den unterschiedlichen Vokabeln für die verschiedenen Abstufungen der Freiheit bzw. Unfreiheit letztlich - man muss eben letztlich doch über den Metakonsens im Detail sprechen, wenn man mehr als ein zeitlich limitiertes Rollenspiel zu vorgegebenen Inhalten/Praktiken sucht!)

Typischerweise kennzeichnet man im BDSM bei zeitbegrenzten Sessions den Beginn und das Ende der jeweiligen Sklaven-Zeit durch das Anlegen und Abnehmen von Accessoires, z.B. einem Sklaven-Halsband, oder auch durch eher der Symbolik als dem sinnlichen Empfinden dienende Handlungen, z.B. einem Fuß-Kuss.

Auch in langfristiger angelegten BDSM-(Liebes)Beziehungen kann eine Kennzeichnung gewählt werden, z.B. ein O-Ring ähnlich einem Ehe-Ring - oder es kann auch ein Branding bzw. Tattoo gewählt werden, das entweder alle Partner/innen oder aber nur den/die Versklavte(n) durch Wahl eines geeigneten Motivs ausweist (und das ggf. dem "Eigentum" von dem/der "Besitzerin" aufgedrückt wird wie einer Kuh ein Brandzeichen). Im professionellen BDSM ist das wohl eher ungewöhnlich, es sei denn, der/die Passive wünscht sich ohnehin einen entsprechenden Körperschmuck - dann kann ein solches Ritual auch schlichtweg rollenspielerisch vorgenommen werden…

Historisch inspiriertes Rollenspiel im BDSM

Als Rollenspiel wäre natürlich auch ein Setting von historischer Sklaverei möglich (z.B. weiße/r Kolonialist/in versklavt schwarze/n Einheimische/n, oder Mose befreit die versklavten Israeliten aus Ägypten) - dies würde letztlich dann einem Race Play entsprechen und gefällt mir besonders gut, wenn alle Beteiligten dabei "queer" denken, d.h. mit kritischem Blick (selbst)ironisch Mißstände parodierend sowie unter Bewusstheit für etwaige persönliche Betroffenheit die jeweiligen Themen aufgreifen. Dies kann ggf. kathartisch wirken. Sensibler Umgang mit all solchen Themen ist mir wichtig, weswegen ich bei derartigen Anfragen häufig auf einem Plauderdate vorab bestehe.


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