Vorlieben

Sklaverei / Sklavenhaltung

"Ich mag das Wort 'Sklavin' nicht besonders", sagte neulich eine Kundin zu mir, und ich stimmte ihr spontan zu - zumindest bin ich auch nicht der Ansicht, dass im BDSM nicht jede/r Bottom automatisch Sklave bzw. Sklavin ist.

"Warum schreibst du es dann auf deiner Seite immer wieder?", kritisierte sie mich zu Recht. Nun, tatsächlich habe ich früh bemerkt, dass meine private BDSM-Community und die kommerzielle BDSM-Branche teils recht unterschiedliche Sprachgepflogenheiten haben, und manchmal unterliege ich einfach den Einflüssen meiner Umgebung unbewußt oder aber versuche bewußt, diese Webseite nicht in einem für privatszene-fremde Menschen völlig unverständlichen Stil zu schreiben und da den richtigen "Mix" zu finden.

Ich gebe zu, dass ich den Begriff "Sklave" hier daher nicht konsistent verwende: manchmal stellt er einfach das in der Branche übliche Synonym zu dem mir anfangs vertrauteren Begriff "Bottom" dar, und manchmal nehme ich es mit der Wortbedeutung genauer. Wie auch bei einigen anderen Begrifflichkeiten könnte man also wieder eine Deutung im weiteren Sinn von einer Deutung im engeren Sinn unterscheiden. - Auf dieser Unterseite soll es nun tatsächlich um "Sklav/inn/en im engeren Sinn" gehen.

Wann ist ein Bottom "wirklich" ein Sklave?

Ich bezeichne eine/n Spielpartner/in im engeren Sinn als Sklaven bzw. Sklavin, wenn er / sie sich selbst als ein/e solche/r fühlt bzw. fühlen möchte. Dazu gehört fast immer ein Hierarchie-Gefälle - meist hat bzw. sucht ein Sklave eine Herrin, der er wirklich zu gehorchen hat. - Nicht jedeD/S-Konstellation weist tatsächlich eine solche Hierarchie auf: es kann z.B. eine/n Sub geben, der/die sich freiwillig unterordnen möchte, aber der/die dennoch nicht die Absolutheit von Sklaverei sucht.

Für Sklav/inn/en spielt es häufig eine Rolle, jemandem "gehören" zu wollen. Oder hörig sein zu dürfen. Dies ist im professionellen Kontext nicht ganz einfach, dennoch habe zwei Menschen, die ich aufgrund der Struktur unseres Kontakts tatsächlich als Sklaven im engeren Sinn (und auch jenseits von Rollenspiel-Inszenierungen, siehe unten) bezeichnen mag. Sklaverei im BDSM-Kontext bedeutet nach meinem Verständnis nicht automatisch, dass es einen Total Power Exchange, also ein Abhängigkeitsverhältnis bezogen auf sämtliche Lebensentscheidungen und -bereiche incl. Arbeitsplatz und Wohnalltag, gibt. Sondern das Herrin/Sklaven-Verhältnis bezieht sich auf eine bestimmte Art des Umgangs miteinander in den Lebensbereichen und -zeiten, wo wir miteinander in Kontakt treten.

Es ist schwer in Worte zu fassen, wo innerhalb des authentisch empfundenen D/S die Grenze zwischen einer Dom/Sub-Beziehung und einer Herrin/Sklaven-Beziehung verläuft bzw. verlaufen kann. Vielleicht ist eine solche Festlegung aber auch nicht wirklich wichtig, sofern alle Beteiligten einander das vermitteln können, was ihnen am jeweiligen Kontakt wesentlich ist und sich dieser daraufhin entsprechend stimmig gestaltet. Ich denke, dass im Sklaven-Setting stärker als in der Submission eines Menschen, der sich "nur" als Sub bezeichen möchte, ein (temporärer) Entrechtungs- und Objektifizierungs-Gedanke mitschwingt.

Rollenspiele

Ich zähle "klassischen D/S" auch zu den Rollenspielen, sofern er eher den D/S-Inszenierungen zugeordnet werden kann. Es gibt aber Rollenspiele rund um Sklaverei, die eher zu den Rollenspielen jenseits der Klischees gehören. Mit beiden Varianten beschäftigt sich dieser Abschnitt, während "authentischer D/S" in meinem Begriffsverständnis erst durch einen persönlichen Beziehungsaufbau etabliert werden kann.

Sklaverei / Sklavenhaltung im typischen Rollenspiel ("Klassischer D/S")

Vielleicht ist Ihnen das alles aber viel zu "tief" gedacht. Ich unterscheide ja auch D/S in authentischen und inszenierten D/S - andere sprechen hier von der Frage: "D/S leben oder spielen?" - und vielleicht schlüpfen Sie gern für die Dauer eines Rollenspiels schlicht gerne in Rolle eines Sklaven oder einer Sklavin, um z.B. einen "Aufhänger" für Ihre Lieblings-Praktiken zu haben. Oder um nach einem langen Arbeitstag abzuschalten und auf BDSM umzuschalten - das Anlegen eines Halsbandes oder das Kriechen über den Fußboden auf Knien kann ein Ritual sein, das zwar letztlich auf Klischees gründet, die von gewissen Branchen der Porno- und Sexwork-Industrie vermarktet werden, aber dennoch muss daran ja nichts schlecht sein! Wenn Ihnen diese Rolle liegt, ist daran nichts besser oder schlechter als an der Rolle eines Schulmädchens, eines Rekruten, eines Ponys etc. im Schoolplay, Military Play oder Petplay. Es ist dann sozusagen "klassischer D/S" - die weitverbreitetste Rollenvorlage. Und sehr gerne inszeniere ich auch in diesem klassischen Rahmen eine schöne, intensive Herr/in-Sklav/in-Session mit Ihnen. Lediglich ist es mir wichtiger als offenbar manchen Kolleginnen, vorher abzuklären, was dabei ihr tatsächliches Selbstverständnis ist. Und worin konkret ihr ganz persönlicher Reiz besteht, weil ich ungern an Ihren Sehnsüchten vorbei spielen möchte, nur "weil man das so macht". Wenn Sie es wirklich mögen, dann kann auch ich darin aufgehen!

Hier können wir gern dann auch alle "Bilder" und Stereotypen durchgehen, die Sie und ich aus Filmen kennen, oder uns auf einzelne Passagen daraus konzentrieren. Sie können mir vorab ein paar Kurzclips oder Filmsequenzen zusenden, auf die Sie besonders reagieren. Bitte beachten Sie, dass ich die Rolle der Herrin dann eben bewußt für die Dauer unseres Plays verkörpere und letztlich -anders als beim authentischen D/S, der insbesondere im professionellen Kontext verständlicherweise kaum gewünscht wird- keine Anweisungen gebe, die nicht ihren direkten oder indirekten Präferenzen entsprechen. Ich verstehe jedes erotische Rollenspiel als eine Art Impro-Theater, und hierbei ist der "rote Faden" eben das in manchen BDSM-Kreisen geläufige Herr/in-Sklav/innen-Modell.

Rollenspiele mit historischen Bezügen

Ein afroamerikanischer Kunde hat mich einmal gebeten, mit ihm ein Kolonialisierungs-Rollenspiel zu spielen. Mir ist bewußt, dass Rollenspiele rund um ethnische Diskriminierungen als besonders heikel gelten. Und nicht nur so gelten, sondern dies auch tatsächlich in mehrerer Hinsicht sein können - insofern ist mir, ebenfalls wie bei anderen Settings mit einer persönlichen oder wenig entfremdeten historischen Grundlage bzgl. realen Diskriminierungen oder Machtmißbräuchen- hohes Reflexionsvermögen bei allen Beteiligten wichtig. Manche derartigen Spiele sind eher Katharsis-Rollenspiele als BDSM-Plays.

Natürlich könnte ein historisch inspiriertes Sklaven-Rollenspiel z.B. auch im alten Ägypten spielen und ich könnte Pharaonin sein, die ihre Sklav/inn/en am Pyramidenbau schuften läßt. Das hätte wieder einen anderen Focus als ein Play mit Bezug zu jüngerer Vergangenheit, aber wie dieses wäre es auch weg von den modernen BDSM-Interpretationen des Sklave-Seins und hätte somit ein in weiten Teilen völlig anderes Verständnis - insbesondere würde in solchen Plays die sexuelle Lust weniger deutlich Einzug halten, es sei denn, wir vereinbaren dies explizit.

Sklavenhaltung (Käfig/Kellerhaltung, Keuschhaltung, Cuckholding etc.)

Sowohl Rollenspiel-Sklav/inn/en, mit denen ich D/S nur auf o.g. Weise für die Dauer inszeniere, als auch Beziehungs-Sklav/inn/en, die sich mir auch zwischen den Sessions auf eine bestimmte und für beide stimmige Weise in authentischem D/S verbunden fühlen, wünschen sich gelegentlich eine bestimmte "sklavengerechte" Haltung. Bei Käfig/Kellerhaltung geht es um Isolation, zu Keuschhaltung und Cuckholding habe ich auf der entsprechenden Unterseite einige Gedanken ausgeführt, ebenso zu den Möglichkeiten und Grenzen eines Sklavenvertrags oder eines echten oder inszenierten Haussklaven- bzw. Arbeitssklaven-Einsatzes im professionellen Kontext. Einiges macht nur in Langzeit-Sessions oder BDSM-Urlauben Sinn, anderes kann auch fernerotisch kontrolliert werden. Eine D/S-Beziehung kann darüber hinaus auch eine spezielle asymmetrische und doch wechselseitige Form der Liebe zwischen Herrin und Sklav/in enthalten.

Manche Accessoires wie ein Sklavenhalsband können eine große rituelle Bedeutung haben, müssen es aber nicht zwangsläufig. Wir sind frei, dies miteinander zu gestalten. Und ich stelle jedes Mal fest, wie sehr ich es liebe, dass ich mit ganz unterschiedlichen Menschen völlig unterschiedlich spiele oder, wenn es um authentischen D/S geht, diesen völlig unterschiedlich auslebe und meine Subs und Sklaven auf völlig unterschiedliche Weise liebe, ebenso wie sie mir ihre Verehrung auch auf völlig unterschiedliche Weise zeigen: selbst wenn mehrere von ihnen z.B. ein Halsband tragen, hat es doch in jeder D/S-Beziehung eine etwas andere, sehr persönlich gestaltete Bedeutung. Vielleicht kann man genausowenig alle Sklav/inn/en über einen Kamm scheren wie alle Hunde: manche Hunde (egal ob human dogs oder echte Tiere) brauchen z.B. viel Auslauf und wenig Fellpflege, andere sind Schoßhunde und wieder andere Streuner, manche haben einen ruhigen Charakter und andere bellen voller Temperament jeden Postboten an - und so ähnlich möchte ich auch im BDSM bei (inszeniertem oder authentisch gefühltem) Herrin-Sklav/inn/en-Gefälle ganz individuell auf Ihre Persönlichkeit und Ihre Bedürfnisse eingehen, wenn ich -oft, aber nicht immer, mit Ihnen gemeinsam- entscheide, wie eine "sklavengerechte" Behandlung in Ihrem Fall am besten aussieht. Und auf das Herausfinden im Rahmen der Begegnungen freue ich mich sehr!


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